Altes bewahren? Oder Neues ermöglichen? In diesem Spannungsfeld agiert die Grazer Altstadtkommission. Nach einem Richtungsstreit traten im Vorjahr vier von 16 Mitgliedern zurück, nun stehen ihre Nachfolger fest. Eine Richtungsentscheidung der neuen Stadtregierung, die den Fokus auf das Bewahren legt.
Der Bauboom in Graz lässt nur wenige kalt, auch Projekte in der Unesco-geschützten Altstadt sorgen immer wieder für Diskussionen. Für einige agierte die Altstadtkommission, die in Bauverfahren innerhalb der Schutzzone involviert ist, zuletzt zu Investoren-freundlich.
Jene vier Mitglieder, die im Herbst zurücktraten, sahen sogar den Welterbe-Status von Graz gefährdet und sprachen von einer Dominanz der Architekten im Gremium. Nach Monaten des Wartens stehen die neuen Mitglieder fest. Die Stadt Graz nominiert drei Kunst- und Architekturhistoriker: Eva Tangl (sie ist auch stimmberechtigt), Sophia Walk und Christoph Breser (sie sind beide nicht stimmberechtigt).
Ich bin froh, wenn wir wieder voll besetzt sind. Wir waren aber immer handlungsfähig.
Altstadtkommissions-Vorsitzender Alfred Bramberger
„Für uns hat Bewahren Vorrang“
„Dieser Bereich war bisher unterrepräsentiert. Für uns hat Bewahren Vorrang vor Erneuern“, heißt es aus dem Büro von KPÖ-Bürgermeisterin Elke Kahr. Ein klares Signal, welche Ausrichtung die Kommission künftig stärker haben soll.
Das Land nominiert Architektin Sabine Christian, die mehr als 20 Jahre lang Baudirektorin in Kapfenberg war. Auch sie wird nicht stimmberechtigt sein. Der Grazer Gemeinderat wird am 17. Februar abstimmen, den Beschluss für alle vier neuen Mitglieder wird die Landesregierung wohl Anfang März fällen.
Auf Kommission wartet viel Arbeit
„Ich bin froh, wenn wir wieder voll besetzt sind. Wir waren aber immer handlungsfähig“, betont Kommission-Vorsitzender Alfred Bramberger im Gespräch mit der „Krone“. Die Arbeit der vier zurückgetretenen Mitglieder hätten die restlichen zwölf zuletzt kompensiert. „Wir haben viele Fälle zu bearbeiten. Ich sehe guten Mutes in die nahe Zukunft.“
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