Plagiatsvorwürfe

D: FDP-Politikerin Koch-Mehrin tritt zurück

Ausland
11.05.2011 21:02
Die mit Plagiatsvorwürfen im Zusammenhang mit ihrer Doktorarbeit konfrontierte deutsche FDP-Spitzenpolitikerin Silvana Koch-Mehrin ist am Mittwochabend mit sofortiger Wirkung von allen politischen Ämtern zurückgetreten. In einer schriftlichen Erklärung teilte Koch-Mehrin unter anderem mit, sie wolle mit diesem Schritt verhindern, dass ihre gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet werde.

"Ich hoffe, dadurch meiner Partei den Neuanfang mit einem neuen Führungsteam zu erleichtern", erklärte die 40-Jährige. Ihren Rücktritt vom Amt der Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments begründete sie damit, sie wolle "nicht in führender Position ein Ziel für Angriffe auf die einzige demokratisch legitimierte Institution der Europäischen Union" bieten. "Ich möchte mit diesem Schritt auch verhindern, dass meine gesamte Familie durch die öffentliche Diskussion weiter belastet wird", erklärte sie.

Zu ihrer Dissertation erklärte Koch-Mehrin, sie habe die Arbeit 1999 an der Universität Heidelberg eingereicht und dort werde sie jetzt überprüft. Sie wünsche, dass diese Prüfung nun "vertraulich, fair, nach rechtsstaatlichen Maßstäben und ohne Ansehen der Person durchgeführt" und nicht dadurch belastet werde, dass sie herausgehobene Ämter innehabe.

Mehrere Plagiate festgestellt
Laut einem Bericht des "Tagesspiegel" hatten sich die Plagiatsvorwürfe gegen die prominente FDP-Politikerin erhärtet. Die Zeitung berichtete in ihrer Mittwochsausgabe unter Berufung auf Kreise der Universität Heidelberg, die Hochschule habe ein förmliches Entziehungsverfahren zur Aberkennung des Doktortitels eingeleitet. Grund seien mehrere festgestellte Plagiate in ihrer Dissertation, die als erheblicher Regelverstoß gewertet würden.

Die Universität Heidelberg hatte am Dienstag mitgeteilt, sie warte noch auf eine Stellungnahme von Koch-Mehrin. Erst nach Vorliegen der Stellungnahme werde es zu einer Bewertung der Plagiatsvorwürfe kommen. Nach Angaben des Vorsitzenden des zuständigen Promotionsausschusses und Dekans der Philosophischen Fakultät, Manfred Berg, ist mit einer "Entscheidung in der Sache" nicht vor Ende Mai, Anfang Juni zu rechnen.

Die Doktorarbeit der FDP-Europapolitikerin zum Thema "Historische Währungsunion zwischen Wirtschaft und Politik" war 2001 veröffentlicht worden und umfasst 227 Seiten. Nach Recherchen der Internetseite http://de.vroniplag.wikia.com/wiki/Skm sollen sich auf einem erheblichen Teil der Seiten angebliche Plagiate finden.

Seit 2004 im Europaparlament
Koch-Mehrin saß seit 2004 für die Liberalen im Europaparlament. Einem breiten Publikum wurde die Wirtschaftswissenschaftlerin und Historikerin bekannt, als sie sich 2006 für den "Stern" mit nacktem Baby-Bauch ablichten ließ. Die dreifache Mutter war auch häufig zu Gast in Talkshows.

Erst am Mittwochvormittag war die Universität Bayreuth in ihrem 40-seitigen Abschlussbericht zur Affäre Guttenberg zu dem vernichtenden Schluss gekommen, dass der Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die Standards guter wissenschaftlicher Praxis grob verletzt und die Prüfungskommission vorsätzlich getäuscht hat (Bericht in der Infobox). 

Guttenberg hat in seiner Stellungnahme zum Abschlussbericht der Universität seine massive Überforderung eingeräumt. Angesichts seiner beruflichen und politischen Arbeitsbelastung sei ihm die Arbeit "teilweise über den Kopf gewachsen", erklärte er.

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