Historiendrama

“Poll”: Eine Erzählung des Erwachsenwerdens

Kino
04.05.2011 14:55
Ein estnisches Gut, vor dessen Toren sich im Sommer 1914 zaristische Truppen und estnische Anarchisten im Kampf aufreiben. Hier besucht die junge Oda (Paula Beer) ihren Vater (Edgar Selge), mit dem sie das Interesse für Anatomie teilt. Auf dem Dachboden versteckt sie einen verletzten Freiheitskämpfer. Ein riskantes Unterfangen, haben doch in der Nähe stationierte Kosaken dessen Mitstreiter getötet.

Das großbürgerliche Leben indes feiert sich in Picknick- und Dinnergesellschaften. Eine unheilvolle Affäre – und politische Wirren bereiten den Boden für eine Tragödie.

Ein opulentes Historiengemälde im Vorfeld des Ersten Weltkrieges, das durch einen herausragenden Kamera-Impressionismus besticht, der traumhafte Strand- und Landschaftsstimmungen einfängt. Beeindruckend auch die Newcomerin Paula Beer, ihr Reifen angesichts bevorstehender Veränderungen. 

Doch ganz vermag sich der Erzählton dieser Parabel nicht zu entscheiden, schlägt der Film doch sanfte und drastische, grotesk-morbide und pathetische Töne an. Allein die Bilder wirken nach! Regie: Chris Kraus ("Vier Minuten").

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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