Mo, 25. Juni 2018

"Endlich so weit"

02.05.2011 10:37

Jubel über Tötung des Terrorpaten Osama bin Laden

Schon während der Fernsehansprache von US-Präsident Barack Obama, in der er die Tötung des Terrorpaten Osama bin Laden bekannt gab, haben sich Tausende Menschen vor dem Weißen Haus versammelt, um das Ende des Chefs der Al-Kaida zu feiern. Kurz darauf jubelten Hunderte Menschen auf dem Santa Monica Boulevard in Los Angeles und auf dem Ground Zero in New York. Ground Zero ist der Ort, an dem einst die Zwillingstürme des World Trade Center standen. Terroristen hatten am 11. September 2001 zwei Flugzeuge in die Türme gesteuert, 2.600 Menschen starben.

Als sich die Nachricht vom Tod Osama bin Ladens verbreitete, strömten von Minute zu Minute immer mehr Bürger auf den Platz. Viele schwenkten US-Fahnen, Champagnerflaschen wurden geköpft. "Was für ein wunderbarer Tag", rief ein New Yorker aus. "Endlich ist es so weit." Ein Feuerwehrmann gedachte der Opfer der Anschläge vom 11. September. "9/11 hat mein Leben auf schreckliche Weise verändert", sagte der Mann an der Stelle, an der einst die Türme des World Trade Centers standen. "Aber heute haben wir Gerechtigkeit erfahren. Es ist Krieg, und ich fühle: Wir haben gewonnen."

"Jetzt können wir wieder fröhlich sein"
Als die Nachricht am Sonntagabend kurz vor 23 Uhr Ortszeit vom Nachrichtensender CNN verkündet wird, bricht auch im New Yorker Broadway-Restaurant "Junior's" spontaner Jubel aus. Kurz danach fährt auf dem nahe gelegenen Times Square ein großer Feuerwehrwagen vor - die Atmosphäre wird beinahe hysterisch, denn die Feuerwehrleute gelten in der Stadt seit dem Anschlägen vom 11. September als Helden.

"Es hat zehn Jahre gedauert, aber jetzt haben wir ihn endlich", sagt Feuerwehrmann Patrice McLead. "Nach all den Verlusten und einer solchen Tragödie können wir endlich wieder fröhlich sein." Er hoffe, dass mit dem Tod Bin Ladens ein Kapitel zugeschlagen werden könne - für alle, auch die Muslime, sagt er. "Es gibt keine größere Freude in meinem Leben als zu wissen, dass dieser Mann tot ist", sagt Harry Gomez, Soldat der Nationalgarde, der bei den Anschlägen von 9/11 als einer der Ersten am World Trade Center war.

"Nun haben wir das letzte Wort"
"Es ist ein Wunder", sagt die 22-jährige Monica King. "Die Anschläge haben New York verändert, und jetzt - zehn Jahre später - hatten wir das letzte Wort." Auch Gary Talafuse aus Texas ist in dieser Nacht zum Ground Zero gekommen, wo die Menschen auf Straßenlaternen und Verkehrsschilder klettern, um einen Blick über die Absperrungen auf die noch immer riesige Baustelle zu werfen. Der Tod Bin Ladens würde vielleicht nichts an der Taktik Al-Kaidas ändern, aber: "Nach den Milliarden an investierten Dollar ist dies ein großer Schlag für Al-Kaida und in gewisser Weise eine Belohnung unserer Anstrengungen", sagt Talafuse.

"Ich dachte, wir würden Osama niemals fangen", stammelte ein sichtlich gerührter Mann in der Menge am Times Square. "Und heute überwältigt die Nachricht die ganze Nation."

Die Reaktionen der Verantwortlichen in der Stadt sind nicht weniger offen: "Die New Yorker haben fast zehn Jahre auf diese Nachricht gewartet", sagt Bürgermeister Michael Bloomberg. Zwar könne der Tod Bin Ladens das Leiden der Menschen in den USA nach den Anschlägen nicht mildern, aber es sei ein "wichtiger Sieg für unsere Nation". Er hoffe, dass die Nachricht für diejenigen, die bei den Anschlägen Angehörige verloren, einen Abschluss bedeute. New Yorks Polizeichef Raymond Kelly sieht im Tod Bin Ladens "einen willkommenen Meilenstein".

"Wir haben ihn! Wir haben unsere Gerechtigkeit"
In der Hauptstadt Washington glich das Gelände rund um das Weiße Haus einem tosenden Volksfest. Trommeln, Trillerpfeifen, Hupkonzerte begleiteten wilde Freudentänze. "USA, USA!", tönte es in Sprechchören durch Meere amerikanischer Flaggen. "Wir haben ihn! Wir haben unsere Gerechtigkeit", riefen Menschenmengen unisono. "Das ist der schönste Tag in der US-Geschichte", zitierte CNN die Aussage eines Bürgers. "Am Ende gibt es doch Gerechtigkeit." Autoschlangen verstopften noch während Obamas Ansprache die Zufahrtswege in die Metropole.

Während der Wohnsitz des Präsidenten gleißend angestrahlt in der milden Nachtluft lag, war draußen der Bär los. "Er hat die nächste Wahl schon gewonnen", strahlte ein Washingtoner. Menschen aller Nationen und Hautfarben umarmten sich und stimmten mit Sprechchören und Liedern in die Hupkonzerte der Autokorsos ein. "Ich habe die Nachricht im Fernsehen gehört und bin aus dem Bett gesprungen, um sofort hier zu sein", sagte eine Frau in Jogginghosen. Neben ihr ein Mann im Smoking, der von einer Abendgala gekommen war.

"Ich war noch nie so bewegt wie heute", sagt der 19-jährige John Kelley aus New Jersey. Viele Menschen aus seiner Heimatstadt seien am 11. September ums Leben gekommen. Nach der Nachricht vom Tod Bin Ladens habe er weiche Knie bekommen, erzählt Kelley. "Es ist zu schön, um wahr zu sein." Der Student Jon Garcia spricht von einem "historischen Augenblick".

Sicherheitskräfte freuten sich mit der Menge
Polizei- und Rettungsautos säumten das Viertel. Die Sicherheitskräfte freuten sich zusammen mit den Feiernden. Keiner griff ein, als ein in US-Flagge gehüllter Mann einen Laternenmast vor dem Haus der Obamas erklomm, um das "Star Spangled Banner" dort unter dem Jubel der Menge zu befestigen. "Yes, you can!" feuerte ihn die begeisterte Masse an.

Unter Hunderten US-Flaggen wehten vereinzelt auch arabische Banner. "Das ist sehr mutig und schön", sagte ein Mann. "Muslime und Christen freuen sich an diesem Tag gemeinsam darüber, dass ein Massenmörder tot ist."

In den Bars am Santa Monica Boulevard in Hollywood sind Freudenschreie zu hören, als die Nachricht kurz vor 21 Uhr Ortszeit bekannt wird. "Ich bin so froh, dass der Kerl tot ist", sagt der 25-jährige Cesar Guellory. Carol Morrinson sagt, sie habe Obama gewählt. Jetzt habe er gezeigt, "wie stark er sein kann".

Selbst im Internet bringen die Menschen ihre Freude zum Ausdruck. Als Obama vor die Kameras trat, wurden beim Kurznachrichtendienst Twitter mehr als 4.000 Tweets pro Sekunde registriert. "Endlich! Jetzt kann ich beruhigt schlafen gehen", schreibt ein User bei Yahoo.

Heuer zehnter Jahrestag der Anschläge
Bin Laden gilt als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001, die sich heuer zum zehnten Mal jähren. In New York und Washington starben damals knapp 3.000 Menschen, als Al-Kaida-Terroristen Flugzeuge in die beiden Türme des World Trade Centers und das Pentagon steuerten. Zudem gilt er als Drahtzieher der Bombenanschläge auf die US-Botschaften in Nairobi (Kenia) und Daressalam (Tansania). Dort starben am 7. August 1998 insgesamt 230 Menschen. Das Blutbad gehört zu den schwersten Attentaten auf US-Einrichtungen. Besonders verheerend war der Anschlag in Nairobi, bei dem 219 Menschen ums Leben kamen. Unter den Toten waren zwölf Amerikaner und rund 100 kenianische Botschaftsmitarbeiter.

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