Zum 75. Geburtstag des viel zu früh verstorbenen großen David Bowie erscheint nun offiziell das 2001 fertiggestellte, aber nie im Umlauf gebrachte Album „Toy“ und eine Werkschaus aus seiner experimentellen Phase von 1992 bis 2001. Der Kult um den Briten bleibt zurecht ungebrochen.
Am 8. Jänner hätte der legendäre David Bowie seinen 75. Geburtstag gefeiert, stattdessen betrauern wir am 10. Jänner den bereits sechsten Todestag der britischen Musikerlegende. Seine Popularität ist ungebrochen und derzeit sogar noch stärker als sie teilweise zu Lebzeiten war. Das Vermächtnis Bowies wird seit Jahren in Form von Karriere-Retrospektiven-Boxsets aufrechterhalten, nun erscheint zum Jubiläum des androgynen Musik-Chamäleons auch endlich das Album „Toy“, das Bowie schon 2001 fertig eingespielt, aber niemals veröffentlicht hatte. Das Werk kreierte Bowie nach seinem umjubelten Auftritt bei Glastonbury Festival 2000 von Juli bis Oktober 2000 in New York und es beinhaltete neben ein paar neuen Tracks Aufnahmen und Raritäten seiner Schaffensphase zwischen 1964 und 1971.
Rechnung ohne den Wirt
Der Plan des Masterminds: die Songs sollten mit seiner damaligen Touringband geprobt, dann live eingespielt und so schnell wie möglich als Überraschungsalbum in den öffentlichen Orbit geschossen werden. Im März 2001 hätte „Toy“ das Licht der Welt erblickt, doch Bowie machte die Rechnung ohne den Wirt. Sein damaliges Label EMI/Virgin strauchelte angeblich auf finanzieller Basis und hielt auch sonst nicht viel von der gewagten Spontanidee. Das Label selbst verkaufte lieber die ihnen sympathischer zustehende Sichtweise, man wäre technologisch noch nicht für ein derart ungewohntes Unterfangen bereit gewesen.
Wo auch immer die endgültige Wahrheit liegen mag - Bowie begrub seine Hoffnungen und machte das, was er sein ganzes Leben lang machte: weiterarbeiten. Er nahm ein paar Session-Ideen mit, arbeitete an neuen Tracks und veröffentlichte daraus 2002 „Heathen“. Das erste von danach allen weiteren Alben seiner Karriere, die er auf seinem eigenen Label veröffentlichte. Zu groß war die Ernüchterung ob des gescheiterten „Toy“-Projekts, das auch zulasten der Fans ging. Denn gerade der Fokus auf die ganz frühen Tage des Bowie-Schaffens gilt als Heiliger Gral, weil den Aufnahmen weder auf Tonträger, noch bei Livekonzerten Aufmerksamkeit geschenkt wurde.
Kultige Preziosen
Die Wiederveröffentlichung von Warner kann sich sehen lassen. Im 3-CD-Deluxe-Paket ist übrigens auch die bereits seit zehn Jahren im Internet kursierende geleakte Version des Albums zu hören. Das Cover-Artwork mit einem originalen Babybild von Bowie, das mit einem gegenwärtigen Gesicht des Künstlers vermischt wurde, ist ein verstörender Eyecatcher. Zu hören sind auf „Toy“ unter anderem „Liza Jane“, Bowies allererste Single aus dem Jahr 1964, eine neue Version des „Ziggy Stardust“-Klassikers „Shadow Man“ oder die schwermütige Ballade „The London Boys“, eine zeitgeistig-melancholische Milieustudie. Die zwei Songs „Baby Loves That Way“ und „You’ve Got A Habit Of Leaving“ hatte Bowie sogar unter seinem Echtnamen Davy Jones veröffentlicht.
Zu den posthumen Geburtstagsfeierlichkeiten gesellte sich vor wenigen Wochen noch die fulminante Werkschau „Brilliant Adventure“, die Bowies kreative Höhepunkte in der Ära von 1992 bis 2001 genauer beleuchtet. Elf CDs, ein 18-teiliges Vinyl-Set oder ein Standard-Boxset mit digitalem Downloadcode stehen hier zur Auswahl. Der Fokus liegt hier vor allem auf Bowies schwer unterschätzten und experimentellen Material aus der Ära, in der er kommerziell nicht in der obersten Liga ruderte. Dem umfassenden Genius des Briten kann man mit diesen Veröffentlichungen wieder ein Stückchen näherkommen. Die Bowie-Festspiele werden zudem gewiss noch einige Jahre munter weitergehen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.