16.12.2021 14:53 |

Pommers Feierabend

Wenn Politiker Weihnachtslieder wären…

Einen schönen Donnerstagabend.

Als Sternzeichen Fische - wobei mich hier der Plural immer verwirrt, aber Gerda Rogers wird mir das im ORF bestimmt erklären können - bin ich von Haus aus ein sehr sensibler Mensch. Ich habe ein großes Herz, was ich bei einer Körpergröße von 192 Zentimetern nur hoffen kann, bin aber auch in der Lage, diesen Umstand gut zu verbergen, wie mir öfter diagnostiziert wird. Auf jeden Fall ertönt manchmal im Radio ein Lied, und ich schweife gedanklich für lange Zeit ab, was mich auch zu keinem guten Autofahrer macht - hin zu Ereignissen, mit denen mich der Song verbindet, oder zu Menschen, mit denen ich Besonderes erlebt habe, als er zu hören war. So hat jeder von uns seinen Soundtrack des Lebens, aus dem am Ende unweigerlich ein Trauermarsch wird. Aber es ist Weihnachten, und wir wollen heute nicht so negativ sein.

Immer öfter ertappe ich mich dabei, dass mich Weihnachtslieder an Politiker erinnern. Sie sind ja auch inflationär in unser Leben getreten. Gesundheitsminister geben vor, wann wir unsere Freunde sehen dürfen; der FPÖ-Chef verschreibt im Fernsehen Pferdewurmmittel gegen eine Infektionskrankheit; ständig wird ein neuer Kanzler angelobt, und obwohl ich Karl Nehammer kenne, könnte ich einem Phantombildzeichner spontan keine brauchbaren Hinweise liefern, weil in meinem Kopf Kurz, Schallenberg und Nehammer zu einer amorphen Kanzlermasse verschwimmen. Instinktiv weiß ich auch, dass es wie beim Auswendiglernen von „Das Lied von der Glocke“ in der Schule ist: Merke es dir kurz für die Prüfung, nachher brauchst das eh nimmer.

Und so höre ich Lieder und denke, ob ich will oder nicht, und ich will nicht, an (Ex-)Politiker. Zumeist liegt es nur am Titel. Hier ein paar Beispiele:

„Last Christmas“ - Pamela Rendi-Wagner.

„White Christmas“ - Gerhard Karner. Weiß. Was soll ich machen, es ist eben in meinem Kopf.

„Leise rieselt der Schnee“ - Johann Gudenus.

„Little Drummer Boy“ - Herbert Kickl.

„Mistletoe and Wine“ - Ja, klar, Werner Kogler.

„Es wird scho glei dumpa“ - Elisabeth Köstinger. Zumindest karrieretechnisch.

„Driving home for Christmas“ - Michael Ludwig. Ich glaube ja, dass der Wiener Bürgermeister auch den Heiligen Abend in seinem Auto verbringen wird. Und die kompletten Feiertage. So werden immer mehr Straßen gebaut, nur damit der Stadtchef eine schöne Aussicht hat, wenn er daheim ist.

Dem Bildungsminister nehme ich übel, dass ich bei „Holder Knabe im lockigen Haar“ aus „Stille Nacht“ am 24. Dezember vor dem Weihnachtsbaum und neben meiner Familie an ihn denken muss. Wir werden für ihn mitdecken.

Ich wünsche einen schönen Feierabend, so Sie einen haben.

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