Wohnungslose Menschen, sagt Cheng, nehmen die Stadt anders wahr. Er und der „Regenbogenmann“ sind zwei der sieben obdachlosen Fotografen, die für das Kulturprojekt „Ich sehe was, was du nicht siehst“ ihr Leben in Innsbruck dokumentiert haben. Die analogen Kameras stellte ihnen das Kunstkollektiv „Galerie Asphalt“ zur Verfügung.
Eine Isomatte auf dem Boden: ein Platz zum Verweilen. Zelte unter Bäumen: ein Ort zum Übernachten. Ein Lagerfeuer: eine Heizung für draußen. Die Fotografien der sieben Künstler zeigen vor allem eines: Wie man aus wenig ganz viel machen kann – und muss.
Die Fotografen, die im Rahmen des Projektes „Ich sehe was, was du nicht siehst“ des Kunstkollektivs „Galerie Asphalt“ ihre Lebensrealität abgebildet haben, sind obdachlos. „Wir nehmen die Stadt anders wahr, als Menschen, die nicht obdachlos sind“, sagt Cheng (31). Während diese ähnlich wie Straßenbahnen auf ihrer Schiene seien, sieht er sich wie ein Fußgänger, der auch die kleinen Zwischenräume und verborgenen Winkel sieht. Er wollte Motive zeigen, die andere Obdachlose wiedererkennen können.
Wir nehmen die Stadt anders wahr, als Menschen, die nicht obdachlos sind.
Cheng (31)
Für den 52-jährigen „Regenbogenmann“ war es vor allem das Magische, das verzaubernde Unsagbare, das er ablichten wollte – etwa gemeinsame Mahlzeiten am Flussufer. Sein Zuhause findet er nicht in geschlossenen Räumen, sondern in der Natur. Mit eigenen Händen baut er sich sein Dach – und so zeigen seine Bilder etwa eine Unterkunft aus Planen, von Blättern bedeckt.
Die Ausstellung ist noch bis 15. Dezember vor dem Landestheater zu sehen. Mit dem Kauf von Bildern kann man die Künstler unterstützen. Der „Regenbogenmann“ etwa braucht für den Winter noch einen Campingofen.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.