27.11.2021 15:01 |

„Reaktionäre Kultur“

Nordkorea: Todesstrafe für „Squid Game“-Schmuggler

Weil er Kopien der Netflix-Serie „Squid Game“ ins Land geschmuggelt und verkauft haben soll, ist ein Mann in Nordkorea angeblich zum Tod durch Erschießen verurteilt worden. Das zumindest berichtet das von der US-Regierung finanzierte und daher mitunter als „Propagandasender“ in Verruf stehende Radio Free Asia. Aufgeflogen war der Mann demnach, nachdem man sieben Oberschüler beim Anschauen der südkoreanischen Erfolgsserie erwischt hatte.

Ein Schüler, der einen USB-Stick mit der Serie gekauft hatte, wurde dem Bericht nach zu lebenslanger Haft verurteilt, während sechs andere, die sich die Serie angesehen hatten, zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurden. Der Schulleiter und Klassenlehrer seien zudem entlassen worden und müssten nun in abgelegenen Minen arbeiten, berichtete Radio Free Asia unter Berufung auf eine Quelle bei den Strafverfolgungsbehörden in der Provinz Nord-Hamgyong.

Es ist demnach das erste Mal, dass die Regierung ein im vergangenen Jahr verabschiedetes Gesetz zur „Beseitigung von reaktionärem Gedankengut und reaktionärer Kultur“ in einem Fall anwendet, an dem Minderjährige beteiligt sind. Das Gesetz sieht laut Bericht die Todesstrafe für das Anschauen, Aufbewahren oder Verbreiten von Medien aus kapitalistischen Ländern, insbesondere aus Südkorea und den USA, vor.

Einwohner zittern vor Angst“
Dem Insider zufolge waren die sieben Schüler „gnadenlos“ verhört worden, bis die Behörden herausgefunden hatten, wie die Serie ins Land geschmuggelt werden konnte. Die Einwohner seien daher nun in großer Sorge, dass durch eine Untersuchung die Lieferkette aufgedeckt werden könnte. „Die Einwohner zittern alle vor Angst, weil sie für den Kauf oder Verkauf von Speichermedien, egal wie klein, gnadenlos bestraft werden“, zitierte Radio Free Asia eine zweite anonyme Quelle.

Erfolgsserie als Sinnbild für „bestialische Natur“ des Kapitalismus
„Squid Game“ ist die bislang erfolgreichste Netflix-Serie. Allein im ersten Monat verfolgten mehr als 111 Millionen Zuseher weltweit, wie knapp 500 hochverschuldete Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen in scheinbar harmlosen Kinderspielen gegeneinander antreten, um ein Preisgeld in Millionenhöhe zu gewinnen.

Eine nordkoreanische Propaganda-Website hatte den Hype um die südkoreanische Erfolgsserie laut Reuters bereits vor einem Monat aufgegriffen, um Kritik am kapitalistischen Nachbarn zu üben. „Squid Game“ zeige, wie in Südkorea „Menschlichkeit durch extremen Konkurrenzkampf ausgelöscht“ werde, zitierte die Nachrichtenagentur die Website. In Nordkorea dürfte die Propaganda das Interesse an der Serie allerdings nur gesteigert haben.

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