14.11.2021 11:31 |

Ruhe in den Bergen

„Offline zu sein, wird immer mehr zum Luxusgut!“

Unterwegs zu sein in tief verschneiten Bergen, ist im Trend. Die „Bergkrone“ sprach darüber mit dem Südtiroler Heiner Oberrauch.

Österreichweit ist Heiner Oberrauch wenig bekannt, dabei verwenden gut 90 Prozent aller Bergsteiger mindestens ein Produkt aus seinem Unternehmen. Denn zur Oberalp Gruppe, die Heiner vor 40 Jahren in Bozen gründete, gehören die Bergsportmarken Salewa, Dynafit, Pomoca, Wild Country, LaMunt und Evolv. „Wir sind ein Netzwerk begeisterter Bergsportler“, so der 63-Jährige zur „Bergkrone“, die ihn in Bozen besuchte.

Auszeit
Schnell wird klar, dass für Heiner bergsteigen nicht nur Lebenseinstellung und Lebensschule, sondern die Bergwelt ein Ort ist, wo er einfach gerne seine Zeit verbringt.

Die Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass viele die Berge für sich entdeckt haben. Wird dieser Run in die Berge weiterhin anhalten?
„Ja, davon bin ich überzeugt! Denn die Menschen wollen etwas für ihre Fitness, Gesundheit tun und suchen etwas, wo sie Abschalten können. Offline zu sein, wird in unserer Zeit immer mehr zu einem Luxusgut.“

Und das bietet Bergsport?
“Natürlich und es muss auch schnell machbar sein, relativ sicher und trotzdem einen gewissen Kick bieten.“

Was ist Deine Lieblingsdisziplin im Bergsport?
„Ganz klar das Skitourengehen. Weltweit habe ich Berge mit Skiern bestiegen, Abenteuer erlebt, Freundschaften geschlossen. Oft machte ich frühmorgens vor der Arbeit oder nach einem Bürotag eine Skitour. Dieser gleichmäßige Schritt und die Stille des Winters haben etwas Meditatives und sind für mich auch der Moment der guten Ideen. Mich wundert es daher nicht, dass immer mehr Menschen mit Tourenskiern in die winterlichen Berge gehen.“

Die Kombination aus Achtsamkeit, Fitness und Naturerlebnis, die das Skitourengehen bietet, passen damit ja perfekt zum Zeitgeist.
„Der Skitouren-Boom könnte sogar noch sehr viel größer sein, wäre da nicht die Lawinengefahr. “

Deshalb weichen ja viele in die Skigebiete aus.
„Das Pistengehen hat sich binnen kurzer Zeit zu einer eigenen Bergsport-Disziplin entwickelt. Unsere Marke Dynafit hat diesen Trend erkannt und bietet sogar eine eigene Pistengeher-Kollektion an. Aber auch die Skigebiete sind gefordert, diesen Wintergästen ein Angebot zu machen, etwa mit speziellen Aufstiegsrouten und vielleicht sogar eigenen Pisten zum Hinunterfahren.“

Wenn aber so viele Menschen in die winterlichen Berge gehen, ist dann dort oben nicht auch mit der Stille und Ruhe vorbei, wegen der wir das Skitourengehen lieben?
„Ich bin überzeugt, dass die Bergwelt groß genug für alle ist. Und in den Südalpen wird man sicher auch leichter einsame Gipfel vorfinden als in den Nordalpen. Regionen wie das Osttiroler Villgratental oder das Kärntner Lesachtal wären aber ideale Destinationen für alle Skibergsteiger.“

Nicht nur der Bergsport, sondern auch die Bergsport-Industrie verändert sich.
„Meine Tochter Ruth, die Oberalp übernehmen wird, meint, dass wir morgen vielleicht nicht nur Produkthersteller, sondern auch ein Wissens- und Dienstleistungsanbieter sein werden, der Menschen näher zusammenbringt, die unsere Leidenschaft fürs Bergsteigen teilen. Produkte sind austauschbar, viel wichtiger ist für mich, wie sie nachhaltig hergestellt werden. Wir müssen weg von mehr, hin zu besser. Die Jugend zeigt es uns ja heute schon vor, denn nicht der ist sexy, der mit dem Porsche vorfährt, sondern der, der mit dem Fahrrad kommt.“

Mehr Bergkrone-Reportagen und Berichte auf www.bergkrone.at.

Hannes Wallner
Hannes Wallner
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