Alles beginnt in einer dunklen Gasse im New York der 40er Jahre. Noch ahnt unser kleiner Held nicht, dass er einmal zu einem gefürchteten Mafiosi avancieren wird. Doch als seine Eltern vor seinen Augen kaltblütig über den Haufen geschossen werden, ist sein Schicksal besiegelt. Der Don höchstpersönlich nimmt sich des kleinen Knabens an und fordert ihn auf, seine Wut für später aufzuheben.
Etliche Jahre später ist der Bub von einst ein stattlicher Mann, der nur darauf wartet innerhalb der Mafia Karriere zu machen. Doch bevor es losgehen kann, muss der Spieler das richtige Erscheinungsbild für seinen Gangster zusammenstellen. Vom Fischgrätenbärtchen bis hin zu den Hosenträgern kann hier - ganz nach "Sims"-Manier - am Körper gewerkelt werden. Auf den Nadelstreifenanzug muss der Spieler vorerst verzichten, mit der richtigen Kohle kann dieser Schritt jedoch später nachgeholt werden.
Danach befinden wir uns auch schon mitten in Little Italy, wo uns Luca Brasi, einer der zahlreichen Helfer von Don Vito, in die Künste des Mobster-Lebens einweiht. So lernen wir, wie man ungebetene Gäste windelweich prügelt und mit dem Kopf gegen harte Gegenstände schleudert, oder wie man mit einem gezielten Schuss Gegner außer Kraft setzt. "Der Pate" unterscheidet dabei verschiedene Körperregionen: Schüsse auf die Schulter oder den Arm entwaffnen, Schüsse auf das Bein hindern Gegner an einer Flucht.
Die hohe Kunst der Diplomatie
Doch Luca lehrt auch die Kunst der mehr oder weniger friedfertigen Diplomatie. In einer Metzgerei sollen wir unser Verhandlungstalent unter Beweis stellen, schließlich kommt der Fleischer mit seinen Schutzgeldzahlungen nicht nach. Mit ein wenig psychischem und physischem Druck - zum Beispiel auf sein Auge oder das Inventar - willigt er schließlich ein und beschert uns so ein wöchentliches Einkommen. Überspannen sollte man den Bogen allerdings nicht, andernfalls stirbt der "Verhandlungspartner" oder die Polizei wird auf das Geschehen aufmerksam.
Vergrößerung des Einflussbereichs
Natürlich wird es im Spielverlauf von "Der Pate" nicht bei einer mickrigen Metzgerei bleiben. Je mehr Läden oder Casinos der Mafiosi an sich reißt, umso größer werden Macht und Geldbeutel - bis er schließlich selbst der Don von New York ist. Doch mit zunehmenden Einflussbereich macht man sich nicht nur Freunde: Zwar mögen die Passanten auf der Straße nun ehrfurchtsvoll grüßen, die anderen Mafia-Familien der Stadt oder auch die Polizei sehen dies jedoch vielleicht nicht ganz so gerne. Bestechungen sind immer ein gutes Mittel, um die Cops auf Distanz zu halten.
Wenn alle Stricke reißen, dann bleibt einem immer noch der Dynamit-Verkäufer im Hinterhof. In ganz brenzligen Fällen kann der Spieler sich in sein "Safehouse" zurückziehen, wo er unentdeckt bleibt und das Spiel speichern kann. Im Vergleich zur opulent gestalteten Außenwelt, in der es von Passanten und Autos nur so kreucht und fleucht, wirken die Innenräume allerdings ein wenig leer und kalt. Zudem sehen sämtliche Metzgereien, Bars oder Restaurants New Yorks von innen gleich aus.
Wilde Verfolgungsjagden im Big Apple
Natürlich müssen wir uns in "Der Pate" nicht nur zu Fuß von A nach B bewegen. Fahrten mit dem Auto bilden einen nicht unwesentlichen Teil des Spiels, stehen die fahrbaren Untersätze doch auch an jeder Ecke per Knopfdruck zur (fast) freien Entnahme bereit. Gleich zu Beginn des Spiels kann der Spieler dann sein fahrerisches Können unter Beweis stellen: Der Don wird angeschossen und unser Gangster-Lehrling muss den Krankenwagen sicher zum Hospital eskortieren. Leider ist das Fahrverhalten nicht allzu rosig ausgefallen, die Map könnte größer sein und gerade die Fahrweise der Gegner sorgt immer wieder für Verblüffung - fahren diese doch ohne Rücksicht auf Verluste über alles drüber. Zudem wird der Spieler zu oft von einem Ort zum nächsten geschickt, was auf Dauer ein wenig monoton wirkt.
Vom kleinen Fisch zum Don von New York
Am Ende jeder Mission gibt es dann nicht nur Ruhm und Anerkennung, sondern auch Fertigkeitspunkte, mit denen die Figur ganz nach Rollenspiel-Art (Schlagen, Gesundheit, Tempo, etc.) aufgerüstet werden kann. Während insgesamt recht wenige Story-Missionen zur Verfügung stehen, so kann sich der Spieler stundenlang und nach Herzenslust bei den zahlreichen Nebenquests austoben. Hier wird auch deutlich, wie geschickt die Macher die Geschichte von "Der Pate" in das Spiel eingebunden haben: Anstatt die Geschichte nur einfach nachzuerzählen, kreuzt der Spieler zwar von Zeit zu Zeit die bekannten Ereignisse, erlebt diese aber aus einer völlig neuen Perspektive.
Packende Mafia-Atmosphäre
Grafisch kann "Der Pate" durchaus überzeugen. Vor allem die Atmosphäre des pulsierenden Big Apples wurde hervorragend eingefangen. Neben der hohen Detailverliebtheit bietet das Spiel auch einige hübsche Explosionen und die aufwendig animierten Zwischensequenzen, in denen es ein Wiedersehen mit dem verblüffend lebendig aussehenden Marlon Brando gibt. Sehr positiv ist zudem, dass sich die Räumlichkeiten ohne Ladepausen betreten lassen. Neben der gelungenen Lokalisierung (im englischen Original mit den Stimmen von James Caan und Robert Duvall) gibt es natürlich noch die unvergleichbar schöne Filmmusik von Nino Rota.
Fazit: "Der Pate" glänzt durch eine packende Atmosphäre und neue Einblicke in die Geschichte, die dank zahlreicher Quests vor allem - aber nicht nur - Fans für viele Stunden begeistern dürfte. Abzüge gibt es für ermüdende Autofahrten und mitunter unfaires Gameplay - wenn zum Beispiel mit einem Gegner "verhandelt" werden muss, aber nirgendwo geschrieben steht, dass dieser nach erfolgreicher Verhandlung auch überleben sollte. Zudem ist eine eindeutige Nähe zu "GTA" nicht von der Hand zu weisen. Musik, Grafik und Story trösten aber gekonnt über diese Mängel hinweg.
Plattform: PS2 (getestet), PC, Xbox, Xbox 360 (in Kürze), PSP
Publisher: EA
Krone.at-Wertung: 84%
von
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