10.11.2021 12:53 |

Attacke gegen Tesla

VW baut Fabrik nur für völlig neues E-Auto Trinity

Im Konkurrenzkampf mit Tesla wird Volkswagen aller Voraussicht nach ein eigenes Werk für sein grundlegend neues Elektromodell Trinity bauen. Die elektrisch angetriebene Limousine soll ab 2026 Maßstäbe bei Reichweite, Ladegeschwindigkeit sowie Digitalisierung setzen und später hochautomatisiert nach Level 4 fahren können.

Europas größter Autokonzern hat den Bau am Dienstagabend angekündigt. Der Aufsichtsrat muss der Entscheidung aber noch abschließend zustimmen.

Das Vorhaben gilt als einer der entscheidenden Punkte in der Investitionsstrategie für die kommenden fünf Jahre. Den Angaben zufolge soll das Trinity-Projekt in einer separaten Produktionsstätte untergebracht werden - vorgesehen ist eine Art „zweites Werk Wolfsburg“. Dessen Aufbau könnte nach Schätzungen aus Konzernkreisen mindestens einige Hundert Millionen Euro kosten.

„Entstehen soll die neue Fabrik auf der grünen Wiese außerhalb des Werkzauns“, erklärte das Unternehmen. „In Frage kommen dafür verschiedene Standorte im nahen Umland von Wolfsburg.“ Der eigentlich schon für kommenden Freitag angepeilte Abschluss der Planungsrunde war jüngst auf den 9. Dezember verschoben worden - möglicherweise fällt bis dahin eine endgültige Entscheidung.

Neue Elektroauto-Plattform
Trinity läuft voraussichtlich im Jahr 2026 voll an. Es handelt sich um ein komplett neu konzipiertes Fahrzeugsystem, in dem dann die modernsten E-Antriebe sowie weitgehend selbst programmierte Software, Vernetzung und Technologien des autonomen Fahrens von VW zum Einsatz kommen sollen. Dazu verwendet die Marke eine weiterentwickelte Plattform namens SSP - eine Weiterentwicklung des Modularen Elektro-Baukastens -, auf die auch die Tochtermarken zugreifen können sollen.

Zudem will VW mit Trinity das autonome Fahren im Volumensegment für viele Menschen ermöglichen. Zum geplanten Serienstart 2026 soll Trinity bereits das Level 2+ erreichen und technisch bereit für Level 4 sein. „Wir nutzen unsere Skaleneffekte, um autonomes Fahren vielen Menschen verfügbar zu machen und ein lernendes, neuronales Netzwerk aufzubauen. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für den kontinuierlichen Datenaustausch unserer Fahrzeugflotte - etwa zur Verkehrslage, Hindernissen oder Unfällen“, so Kernmarkenchef Ralf Brandstätter.

Künftige Fahrzeugmodelle wie Trinity werden mit erheblich weniger Varianten produziert, die Hardware weitgehend vereinheitlicht. Die Autos haben dann „quasi alles an Bord und der Kunde kann gewünschte Funktionen jederzeit on demand über das digitale Ökosystem im Auto freischalten“, heißt es bei VW. Die Komplexität in der Fertigung nimmt dadurch deutlich ab.

Auf dieser technischen Basis sollen insgesamt mehr als 40 Millionen Wagen entstehen. Das größte deutsche Unternehmen will damit vor allem den US-Rivalen Tesla angreifen, der schon jetzt kurz vor dem Start seiner neuen „Gigafabrik“ in Grünheide bei Berlin steht.

Brandstätter erklärte: „Der Wettbewerbsdruck steigt - nicht zuletzt vor der eigenen Haustür. Wir müssen Wolfsburg jetzt fit machen für die Zukunft.“ Eine Fertigungszeit von zehn Stunden je Auto sei machbar. „Auch das Stammwerk am Mittellandkanal soll anschließend nach diesem Vorbild tiefgreifend modernisiert werden“, teilte VW weiter mit.

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