27.10.2021 07:00 |

Klimaforscher

„Hitze wie in Rom ist in Graz schon bald normal“

Alle Augen sind auf das schottische Glasgow gerichtet: Dort beginnt am Sonntag - mit einem Jahr Verzögerung wegen Corona- die große UN-Klimakonferenz. Der Grazer Klimaökonom Karl Steininger hofft auf eine positive Überraschung. Seine Vision: Österreich soll das als erste klimaneutrale Vorzeigeland weltweit werden.

„Krone“: Bei dem Treffen der 192 Vertragsstaaten sollen einmal mehr schärfere Maßnahmen zur Umsetzung der Pariser Klimaziele beschlossen werden. Wie groß sind Ihre Hoffnungen?
Karl Steininger: Überraschungen gibt es immer wieder, erst im September hat China zugesagt, keine weiteren Kohlekraftwerke mehr im Ausland zu finanzieren. Das Problem ist, dass die UNO eine Weltgemeinschaft ist, die alles einstimmig beschließt. Wenn nur ein Land blockiert, wird es schwierig.

Wie stark kann das kleine Österreich auftreten?
Es ist richtig, dass Österreich nur 0,1 Prozent der Weltbevölkerung ausmacht und nur für 0,2 Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich ist. Aber: Wir sind ein reiches Land, haben die Humanressourcen, Technologien und das Wissen. Genau darin liegt unsere Chance: Wer, wenn nicht wir, sollte vorzeigen, wie ein schönes Leben klimaneutral aussehen kann?

Ist der Österreicher schon bereit für weitreichende Maßnahmen?
Die Wirtschaft benötigt dringend konkrete Rahmenbedingungen, um planen zu können, da hängen ja oftmals Millioneninvestitionen daran. Ich orte schon seit Längerem verstärkt Signale, dass die Wirtschaft bereit ist für die Wende, und loslegen möchte. Der Bevölkerung muss man wohl einiges noch genauer erklären. Ich war zum Beispiel vor einer Woche bei einer Verkehrstagung in Köln und dort der einzige Teilnehmer, der mit der Bahn angereist ist. Alle anderen sind mit dem Flieger gekommen, sogar die Leute von den ÖBB. Mit dem Argument, dass man mit dem Zug schon eine Nacht früher von zu Hause losfahren müsse.

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Ich war zum Beispiel vor einer Woche bei einer Verkehrstagung in Köln und dort der einzige Teilnehmer, der mit der Bahn angereist ist. Alle anderen sind mit dem Flieger gekommen, sogar die Leute von den ÖBB.

Karl Steininger

Finden Sie und Ihre Kollegen vom Wegener Center Gehör in der Wiener Politik ?
Seit zwei Jahren funktioniert das Miteinander recht gut. Früher haben wir unsere Papiere geschrieben und kein Mensch hat gewusst, was damit passiert. Jetzt kommen unsere Empfehlungen in der konkreten Politik an, unser Wissen wird tatsächlich angewandt. Bei der Ökosteuerreform war ich beispielsweise maßgeblich miteingebunden, auch der Klimabonus geht stark auf unsere Ratschläge zurück.

Sind Sie mit der Ökosteuerreform zufrieden?
Ich finde die Sache an sich sehr gut, der Preis ist leider am Schluss nicht gelungen.

Warum ist es auch für die Steirer wichtig, was jetzt in Glasgow verhandelt wird?
Die Auswirkungen der Erderwärmung werden immer stärker spürbar - auch hierzulande, Trockenheit und Hitzewellen sind die größten Themen. In Graz wird es Hitzewellen wie in Rom, aber auch Gewitter wie im Gebirge mit Schadensverdopplung geben.

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Die Auswirkungen der Erderwärmung werden immer stärker spürbar - auch hierzulande, Trockenheit und Hitzewellen sind die größten Themen.

Karl Steininger

Wie können die Stadtplaner gegensteuern?
Für Städte wie Graz wäre es wichtig, Lebensraum wieder zurückzugewinnen. Wir sind hier stark vom Autoverkehr geprägt, der sehr viel Raum einnimmt. Man muss sich ja nur einmal umsehen: Wie viel Platz geben wir in Graz den Kindern und wie viel den Autos? Mit mehr Grünraum würde auch eine Anpassung an die Hitze einhergehen. Wir wären gut beraten, dort anzuknüpfen, wo Erich Edegger 1992 aufgehört hat.

Wären Sie selber gerne Politiker?
Ich hatte ein paar mal die Möglichkeit dazu. Mit dem, was ich jetzt in Graz auf der Uni mache, kann ich aber wohl mehr bewirken.

Haben Sie heute schon Klimaschutz betrieben?
Ich habe in der Früh die Heizung abgedreht, bin mit dem Rad zur Arbeit gefahren, baue mir gerade eine Fotovoltaikanlage. In meiner Arbeit geht’s inhaltlich immerzu um Klimaschutz.

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