Spiel, Satz, Sieg

Referenz der Tennissimulation ist zurück: “Top Spin 4”

Spiele
01.04.2011 15:10
Eine Tennissimulation, noch dazu fast ein Klassiker, soll es also diesmal sein. "Top Spin 4" ruft sofort Kindheitserinnerungen wach. Die ersten Stunden am Platz, der einfach riesig erschien, ein schier unüberwindbar hohes Netz und der wild gestikulierende, verzweifelte Tennislehrer waren die prägenden ersten Eindrücke. Dieser war durchaus ambitioniert und einfallsreich, mir den Sport näherzubringen.

Die Vor- und Rückhandschläge klappten auch recht bald, doch er scheiterte kläglich daran, dass ich partout nicht und nicht dem Ball nachlaufen wollte. Ich dachte mir wohl: "Wozu? Er kann doch problemlos in meine Richtung spielen."

Die Karriere als Tennisprofi war somit vorbei, noch bevor sie überhaupt begonnen hatte. Insofern kommt mir die digitale Variante  sehr entgegen, da dort lediglich die Finger bewegt werden müssen. Einfach loslegen klappt bei "Top Spin 4" allerdings nur, wenn bereits der Vorgänger gespielt wurde. Anfänger sollten unbedingt die virtuelle Tennisschule besuchen, um die grundlegenden Schlagtechniken zu verinnerlichen. "Top Spin" versteht sich als Simulation. Dementsprechend komplex ist auch die Steuerung, wenn alle Feinheiten ausgenutzt werden wollen.

Die ersten Schritte am Platz zeigen eine bei Sportsimulationen bereits übliche Präsentation, die sich an TV-Übertragungen anlehnt. Die Platzsprecher sprechen sogar nicht nur Englisch, sondern an den entsprechenden Schauplätzen auch Französisch. Bei besonders spektakulären Ballwechseln wird zudem automatisch eine Zeitlupenwiederholung angezeigt. Etwas mühsam gestaltet es sich aber, die Zwischeneinblendungen abzubrechen. Anstatt alle Sequenzen auf einmal überspringen zu können, muss für jede einmal auf den Button gehämmert werden. Spätestens im Karrieremodus nervt diese Tatsache, je mehr Spiele man in den Beinen hat.

Während Anfänger in der einfachen Schwierigkeitsstufe CPU-Hilfe erhalten, damit der Spieler besser zum Ball steht, sind Fortgeschrittene und Profis auf sich alleine gestellt. Mit ein wenig Übung lässt sich aber rasch ein guter Schlagrhythmus finden. Damit sich dauerhafter Erfolg einstellt, müssen die Schläge variiert werden. Die nicht immer glücklich agierenden CPU-Gegner stellen sich sonst zumindest etwas darauf ein und kontern entsprechend. Irritierend bis amüsant ist vor allem, wenn sie an derselben Stelle immer wieder einen Doppelfehler begehen.

Derart vermeintlich gerüstet wage ich mich ans Onlinespiel und werde von den Gegnern derart vom Platz geschossen, dass ich doch lieber den Karrieremodus zuerst ausprobiere. Später wohlgemerkt, beim zweiten Versuch, klappte es dann viel besser mit dem Gewinnen.

Beim Karrieremodus sind anfangs nur kleine Turnier spielbar. Davor können und sollten Trainingsspiele oder spezielle Events absolviert werden. Diese bringen neben Erfahrungspunkte auch einen Zustrom neuer Fans. Beides ist für das Fortkommen nicht unerheblich. Nicht nur eine gewisse Spielstärke ist notwendig, sondern ebenso ein Minimum an Fans, um eine Spielstufe aufzusteigen. Schlussendlich dürfen dann auch Grand-Slam-Turniere absolviert werden. 

Die erspielten Erfahrungspunkte teilt man auf die Spielerattribute auf. Damit ist es möglich, den eigenen Spieler etwa zum Grundlinienspezialisten mit starker Vorhand zu machen. Einen wesentlichen Einfluss auf die Stärke haben die Trainer. Sie sorgen für Bonuswerte bei einzelnen Spielerwerten. Werden zudem die Aufgabenstellungen, wie beispielsweise 50 Winner zu schlagen, umgesetzt, winken Zusatzfähigkeiten, die ein Spiel in kniffligen Situationen entscheiden können.

Mit Ausdauer und Ehrgeiz kämpft man sich langsam die Rangliste nach oben. Bejubelt werden dann die ersten Siege gegen Tennis-Asse wie Roger Federer oder Rafael Nadal. Nach zwei Saisonen stehe ich nun auf Platz 7, habe mehrere hunderttausend Fans und sobald meine Finger aufgehört haben zu schmerzen und die eingeschlafenen Beine wieder geweckt sind, erfolgt der finale Angriff auf die Spitzenposition. Vielleicht aber dann doch wieder draußen auf einem realen Platz. Selbst wenn das bedeutet, selbst dem Ball nachlaufen zu müssen

Fazit: "Top Spin 4" ist weiterhin die Referenz in Sachen Tennissimulation. Auch Anfänger können mit etwas Übung relativ schnell die ersten Erfolge feiern. Der Karrieremodus bringt ausreichend Abwechslung und der Online-Part sorgt für unterhaltsame Partien gegen menschliche Kontrahenten. Grund zur Klage geben ein paar Schwächen der CPU-Gegner sowie die an einzelnen Stellen nicht ganz geglückte Benutzerführung. 

Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PC
Publisher: 2K Sports
krone.at-Wertung: 9/10

von Harald Kaplan
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