Wohin steuert Graz?

Kultur: Wie immer nur ein Beiwagerl

Steiermark
07.10.2021 12:30

Durch Corona und Digitalisierung steht auch die Kulturbranche vor großen Veränderungen. In den Programmen der nun federführenden Parteien in Graz findet man jedoch die üblichen Stehsätze und wenig Konkretes.

Als Elke Kahr ihren Fahrplan für die weiteren Verhandlungen zur Regierungsbildung in der Landeshauptstadt präsentiert hat, war die Kultur - wieder einmal - nur ein Nebenschauplatz. Es ist eigentlich gute Tradition, dass sich in Graz keine der politischen Fraktionen um das Kulturressort reißt und die Agenden am Ende der politischen Verhandlungen einem der Stadträte als Beiwagerl angehängt werden.

Dabei wird oft übersehen, dass man sich in diesem Ressort nicht nur gut profilieren, sondern auch einiges in der Stadt gestalten kann. Das hat Noch-Stadtrat Günter Riegler etwa mit seinem Kulturjahr bewiesen, das - wenn auch von Corona gebremst - Anknüpfungspunkte bei wichtigen politischen Themen wie dem Klimawandel und der Wohnungsnot fand.

Freie Szene fördern, Räume schaffen
Wie also sieht die Zukunft der Kultur in Graz aus? In ihren Programmen betonen alle möglichen Regierungs-Parteien, wie wichtig das Thema für sie sei. „Das Kulturressort hat für die Stadt und das Leben in der Stadt enorme Bedeutung und es sollte jedenfalls in umsichtige Hände kommen. Über Ressortverteilung schon jetzt zu spekulieren, ist allerdings zu früh“, erklärt etwa Judith Schwentner. Und unterstreicht noch einmal ihre Anliegen: die freie Szene zu fördern, faire Bezahlung für Kulturarbeiter,· Räume zu schaffen und Kulturzentren zu etablieren, wie z. B. am Areal der Rösselmühle oder die Nachwuchsförderung auszubauen.

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„Das Kulturressort hat für die Stadt und das Leben in der Stadt enorme Bedeutung und es sollte jedenfalls in umsichtige Hände kommen. Über Ressortverteilung schon jetzt zu spekulieren, ist allerdings zu früh“

Judith Schwentner, Grüne

Viele Stehsätze, aber nur wenig Konkretes
Viele dieser Ideen findet man übrigens auch bei der KPÖ. Darüber hinaus wollen Elke Kahr und ihr Team freien Eintritt in alle Grazer Museen, transparente Förderpolitik unter Einbeziehung der Betroffenen und eine Unterstützung von Kulturinstitutionen in benachteiligten Bezirken. Die ebenfalls geforderte mehrjährige Förderung und somit die Stärkung der freien Szene wird ja bereits seit Jahren von der Stadt umgesetzt.

Was auffällt: Kaum eine Partei hat konkrete Ideen zur Kulturpolitik, in den verschiedenen Wahlprogrammen sind die gleichen Stehsätze zu finden. Vielleicht fehlt auch das Wissen, dass im Kulturbereich kaum Geld frei verfügbar, das meiste fix gebunden ist an den Erhalt der „großen Tanker“.

Aber auch wenn es keinen großen finanziellen Spielraum gibt, steht die Kulturbranche nach Corona und bedrängt durch die Digitalisierung vor großen Veränderungen. Um diese gut meistern zu können, würde es an der Spitze des Kulturressorts jemanden brauchen, der diese Agenden ernst nimmt und sie nicht nur als Beiwerk versteht. 

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