06.10.2021 14:00 |

Schafe besendert

Osttirol: Prävention für drohende Wolfsangriffe

Mit einer neuen Technologie setzt die Firma Inno Cube aus Leisach in Osttirol neue Maßstäbe zur Prävention von Wolfsrissen auf Almen. Im heurigen Sommer gab es einen ersten Testlauf auf der Leisacher Alm, bei der 20 Schafe mit Standort-Sendern ausgestattet wurden. Erste Erkenntnisse und weitere Pläne gibt es bereits.

Über zahlreiche Wolfsrisse mussten die Schafbauern diesen Sommer auf Tirols Almen klagen. Um drohende Angriffe frühzeitig zu erkennen, entwickelten Helmut Senfter und seine Firma eine neue Präventionsmaßnahme. Von Anfang Juni bis Ende September wurden 20 von 180 Schafe auf der Leisacher Alm besendert, um deren Laufwege aufzuzeichnen und zu analysieren.

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Es ist Prävention zur Erkennung, wir greifen nicht direkt gegen den Wolf ein, das können wir gar nicht mit der Technik.

Helmut Senfter

Die Daten werden alle 15 Minuten abgerufen und an eine Datenbank geschickt. So können auffällige Bewegungsmuster erkannt werden. Zunächst wurden die Standorte der Schafe jede Minute abgerufen, das ging jedoch zu Lasten der Batterien. „Wenn Unruhe herrscht, kann ein Bauer zeitnah auf die Alm fahren. Sobald er vor Ort ist, gibt es eine eingegrenzte Chance auf einen Riss.“

Einen vergleichbaren Einsatz gab es bereits 2014 in Südafrika. Dort war Senfter an einem Projekt beteiligt, das Nashörner besendert hatte. Damals wurde geforscht, ob die Ursache ungewöhnlicher Bewegungsabläufe anderen Wildtieren oder vielleicht gar Wilderern geschuldet war.

Künstlicher Wolf geplant
Die Idee wurde im heurigen Sommer nun das erste Mal in Osttirol getestet und diente vor allem zur Datensammlung. In Zusammenarbeit mit der Uni Klagenfurt und der FH Kufstein wertet man nun die Daten aus und versucht, eine künstliche Intelligenz zu entwickeln: „Wenn wir genug Daten haben, können wir einen virtuellen Wolf erzeugen und simulieren, wie sein Weg aussieht.“

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Der Idealfall wäre, den Wolf selber zu tracken.

Helmut Senfter

Bereits weitere Ideen
Auf der Leisacher Alm gab es im heurigen Sommer keinen Riss. Das Projekt soll im kommenden Jahr fortgesetzt werden. „Der Idealfall wäre, den Wolf selber zu tracken“, lacht Senfter.

Neben dem Tiertracking gibt es Anfragen, dasselbe auch bei Menschen zu machen. So könnte etwa demenzkranken Personen ein Sender mitgegeben werden, um zu verfolgen, ob diese von ihren üblichen Wegpunkten abweichen. „Vor allem in größeren Städten, wo die Anonymität eine Rolle spielt, ist das ein Thema.“

Martin Oberbichler
Martin Oberbichler
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