Dabei beginnt ja alles noch recht vielversprechend. Eine Videosequenz umreißt in etwa, welche Kategorie der Developer-Phantasie den Spieler erwartet: mittelalterliches Ambiente, Menschen in Panik, entfesselte Monster - und über dem Szenario schweben Hexenwesen, die den ganzen Zores offenbar verursacht haben. Man ahnt es schon: Ein Retter muss her...
Da kommt Heinrick gerade recht, der gezeichnete Krieger hat ohnehin etwas gutzumachen. Er hat nämlich hundert Jahre zuvor, in seiner Zeit als fieser Henker, unschuldige Hexen getötet. Deswegen wurde er mit dem Fluch der Unsterblichkeit belegt hat. Da Heinrick für diese Unsterblichkeit aber offenbar nicht viel übrig hat – kein Wunder, angesichts seines unvorteilhaften Äußeren – lässt er sich von Klein-Gretchen - der guten Hexe - überreden, ihr im Austausch für seine Erlösung ein wenig beim Monsterschlachten zur Hand zu gehen.
Distanzvorteil der Magie bleibt auf der Strecke
Somit wäre das Tag-Team aus Muskeln und Magie komplett und es kann losgehen. Der Mann mit dem Messer, über den man als Spieler die Kontrolle übernimmt, sei fortan für das grobe Klingen-Schwingen im Getümmel zuständig, die holde Maid für mächtige Zauber aus der Distanz. Das sollte man glauben – aber Irrtum! Denn während man Heinrick mit seiner Sense mal schnelle, mal starke Angriffe oder diverse Kombos machen lässt, taucht stets die kleine Hexe auf und will auch mitmischen.
Ein Plan der in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt ist. Denn während man Heinrick aus seinen zahlreichen Toden am Schlachtfeld durch fortwährendes Malträtieren des A-Buttons immer wieder zum Leben erwecken kann, fällt die blonde Begleitung regelmäßig ihrem Übermut zum Opfer und bugsiert damit das ungleiche Paar zurück zum letzten Speicherpunkt.
Stockender Spielfluss durch häufiges Laden
Vor dem dynamischen Duo liegen insgesamt 20 Kapitel bzw. Level im schnöden Schlauch-Design. Und irgendwie wird man das Gefühl nicht los, alles schon einmal irgendwo gesehen zu haben, nur in attraktiverer Ausführung. Die Grafik ist platt, die Texturen der Fachwerkbauten pixeln um die Wette und auf Interaktionsmöglichkeiten mit der Umwelt wurde im Großen und Ganzen verzichtet. Das könnte aber zumindest dem Spielfluss zugutekommen, nimmt man an - und wird prompt eines Besseren belehrt: Denn alle gefühlten 15 Level-Meter erscheint das Laden-Symbol und zerhackt das Gesamtbild noch weiter.
Blutige Finishing-Moves und buntes Magie-Gewitter
Doch trotz der vielen Mängel gibt es auch Gutes zu vermerken: Was sich per Controller an Angriffen ausführen lässt, funktioniert flüssig und flott. Die Finishing-Moves sind durchwegs blutig, wenn auch in der Ausführung altbekannt. Und wenn man Gretchens Zauber – etwa in Form von emporschießendem Gestrüpp, das sich durch die Monster bohrt – gekonnt einsetzt, kann man den Gegnern ganz schön einheizen. Schade nur, dass sich die gemeinen Fußsoldaten meist allzu vorhersehbar verhalten.
Hingegen ist man im Kampf mit so manchem Hexen-Boss durchaus gefordert, wenngleich deren Äußeres hauptsächlich durch Größe beeindrucken soll. Denn richtiges Gänsehaut-Feeling kann angesichts der strapazierten "Böse ist, was viele Augen, viele Zähne und große Schnauze hat"-Philosophie nicht so recht aufkommen.
Fazit: Sicher ist "Knights Contract" kein Titel für den anspruchsvollen Zombie-Schlächter von heute. Denn allein durch einen prickelnden Vorspann lässt sich das Spielvergnügen nicht herbeizaubern. Das gelingt nicht einmal der vollbusigen Hexe Gretchen, die ansonsten mit ihrer Magie dem Krieger-Helden Heinrick im Kampf gegen Untote und Hexenmonster hilfreich zur Seite steht - zumindest solange sie sich nicht dazu entschließt, aus der sicheren Distanz in eine feindliche Klinge zu laufen. Positiv ist der Eindruck von Steuerung und orchestraler Musikuntermalung. Letztere vermag der mageren Spielstimmung sogar etwas Düsteres einzuhauchen.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3
Publisher: Bandai Namco
krone.at-Wertung: 3/10
von Fritz Schneeberger
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