Der Reiseboom ist ausgeblieben - zumindest im Ländle. Dennoch ist man in der Branche verhalten positiv, denn „abgerechnet wird am Schluss“. Trotz steigender Coronazahlen und der schlechten Erfahrungen aus dem Vorjahr, bereiten sich Betriebe auf einen „normalen Winter“ vor.
Im Auftrag der Wirtschaftskammer-Fachgruppen Gastronomie und Hotellerie hat das market-Institut im Juli österreichweit 500 Gastro- und Hotelleriebetriebe befragt. Das Ergebnis zeigt, dass die Stimmungslage trotz der wohl noch lange nicht ausgestandenen Pandemie gut ist. Zwei Drittel der befragten Unternehmen sind mit der bisherigen Sommersaison zufrieden. Unzufrieden sind vor allem jene Betriebe, die im städtischen Bereich angesiedelt sind. Fakt ist allerdings auch: In Vorarlberg ist die Sommersaison nicht zuletzt aufgrund des im Vergleich zum Osten Österreichs miesen Wetters bislang hinter den Erwartungen geblieben. Bis Mitte Juli konnten die Beherbergungsbetriebe laut Markus Kegele, seines Zeichens Hotelier aus Stuben und Spartenobmann in der Wirtschaftskammer, nur wenige Gäste begrüßen: „Im August hat das Geschäft zum Glück angezogen. Und abgerechnet wird ohnehin am Ende der Saison. Vor Corona hatten wir immer einen starken Herbst - wird hoffen darauf, dass dies auch heuer so sein wird.“
Gnadenlos hinter den Umsätzen vor der Krise
Ein „goldener Herbst“ wäre auch deshalb wichtig, weil die Umsätze bislang sogar unter jenen des Vorjahres liegen. Wobei Kegele betont: „Eigentlich müssten Vergleiche mit den Vor-Corona-Saisonen angestellt werden - und da liegen wir gnadenlos hinten.“Der noch im Frühjahr erwartete „Reiseboom“ ist also ausgeblieben. Was nicht zuletzt darin liegt, dass von Normalität noch keine Rede sein kann: Die Reiselust wäre zwar grundsätzlich groß, jedoch schrecken viele vor den zum Teil nach wie vor geltenden und von Land zu Land unterschiedlichen Reisebeschränkungen zurück. Speziell für Vorarlberg ist das ein enormes Problem, schließlich kommen bei uns 92 Prozent der Gäste aus dem Ausland und nur läppische acht Prozent aus Österreich. Gerade Urlauber aus fernen Ländern würden fast komplett ausbleiben, sagt Kegele: „Gäste aus dem asiatischen Raum müssen bei der Rückkehr zum Teil mehrere Wochen in Quarantäne verbringen - und zwar nicht in den eigenen vier Wänden, sondern in einem Hotel. Das tun sich natürlich nicht sonderlich viele an.“
Positiv ist hingegen, dass die geltende 3G-Regel vom Großteil der Gäste akzeptiert wird. Inwieweit die Regelungen allerdings bereits im Vorfeld Menschen davon abhalten, überhaupt nach Österreich zu kommen, bleibt unbeantwortet. Immerhin: Laut WKO-Umfrage geht die Hälfte der Betriebe davon aus, dass durch die Impfungen und den grünen Pass wieder mehr ausländische Gäste kommen werden. Mit Blick auf den Winter, der ja bald vor der Tür steht, stimmt das durchaus hoffnungsfroh.
Die Angst vor erneut geschlossenen Grenzen
Allein: Was bringen Impfungen und der grüne Pass, wenn die Grenzbalken wieder zugehen? Zwar betonen Politiker aller Couleur immer wieder, dass man die Grenzen offen lassen will, allerdings geben die Erfahrungen aus dem Vorjahr nicht unbedingt Grund für allzu großen Optimismus. Trotz aller Unwägbarkeiten bereiten sich die Betriebe auf einen „normalen Winter“ vor, stellen Mitarbeiter ein, nehmen Buchungen entgegen - und hoffen auf die Politik: „Wir wünschen uns, dass man nicht immer nur in Drei-Wochen-Schritten agiert. Die Frage ist: Was hat man aus dem letzten Jahr gelernt? Es nützt nichts, wenn wir zwar eine Modellregion sind, die Leute aber nicht oder nur unter erschwerten Bedingungen ein- und abreisen können“, appelliert Kegele an die Vernunft der Entscheidungsträger. Wobei ihm natürlich klar ist, dass am großen Rad nicht in Bregenz, sondern in Brüssel gedreht wird. Bislang hat das Krisenmanagement der EU bekanntlich einiges zu wünschen übrig gelassen - statt einem europaweit einheitlichen Regelwerk, regiert nach wie vor die Kleinstaaterei.
Die Wintersaison steht vor der Türe: Die heimische Hotellerie bleibt optimistisch und hofft, dass die Politik aus dem vergangnen Jahr gelernt hat und die Grenzen für Urlauber offen bleiben. Immerhin ist der grüne Pass mittlerweile Realität. Die Urlaubssaison ist in Vorarlberg nur zögerlich angelaufen. Erst im August konnten die Beherbergungsbetriebe etwas mehr Gäste begrüßen. Spartenobmann Markus Kegele (rechts) hofft, dass zumindest der Herbst für die heimische Hotellerie „golden“ wird.
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