06.09.2021 07:04 |

Ach, übrigens...

Feinfühlige Funktionäre

„Krone Vorarlberg“-Kolumnist Harald Petermichl hat in seiner neuesten Ausgabe von „Ach, übrigens...“ - für ihn höchst überraschend - Fußballfunktionäre ausgemacht, die es nicht so mit dem Fingerspitzengefühl haben. Allerdings sitzen die weder beim europäischen noch beim Weltverband, sondern beim NOFV - dem Nordostdeutschen Fußballverband...

Fragt man, welche Clubs seit Beginn der Zeitrechnung (63/64) in der Deutschen Bundesliga tätig waren, fehlen in vielen kompetenten Aufzählungen gerne mal der FC 08 Homburg oder Tennis Borussia Berlin, auch „TeBe“ genannt. Die Homburger haben zwar Weltmeistergrößen wie Werner Kohlmeyer (1954) und Miroslav Klose (2014) hervorgebracht, dümpeln heute aber mit dem TSV Steinbach-Haiger oder dem SC Astoria Walldorf in der Regionalliga Südwest herum, während TeBe in der vierten Klasse Nordost unter anderem mit dem Zippsendorfer FC Meuselwitz e.V. um Punkte kämpft. In Homburg an der Saar ist es derzeit ruhig, während die Jungs von TeBe, hervorgegangen aus der „Berliner Tennis- und Ping-Pong-Gesellschaft Borussia“ medial gut vertreten sind, weil (wer hätte das gedacht) weltfremde Verbandsfunktionäre mal wieder für Kopfschütteln sorgen.

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Alles klar, offenbar will man es sich mit den Rechten nicht verscherzen, das hätte man allerdings auch offen aussprechen können.

Harald PETERMICHL

Der Nordostdeutsche Fußballverband (NOFV) hat sich nämlich nicht entblödet, den Tennis-Borussen einen Trikotaufdruck zu untersagen. Nicht weil es sich dabei um einen Schützenpanzer-oder Splitterbombenproduzenten handelt, nein, viel besser: Die TeBeler wollten einfach nur etwas Sinnvolles tun und die Jerseys ihrer Kicker mit dem Logo von „Cura“ versehen, einem Opferfonds für Betroffene rechter Gewalt. Das, befand der NOFV, ginge nun aber gar nicht, weil gemäß Verbandssatzung „Werbung für politische Gruppierungen und mit politischen Aussagen“ nicht gestattet sei und überhaupt sei es nicht in Ordnung, dass man sich nur für die Opfer rechter Gewalt einsetze, wo es doch auch andere politisch motivierte Gewalttaten gebe. In einem Brief des NOFV an TeBe versteigt man sich dann auch gleich noch zu der Aussage „Zudem haben wir Sorge, dass sich eine bestimmte Gruppe von Personen durch die Werbung provoziert fühlen könnte.“ Alles klar, offenbar will man es sich mit den Rechten nicht verscherzen, das hätte man allerdings auch offen aussprechen können.

Ob das NOFV-Politbüro an der Fritz-Lesch-Straße, die übrigens nach einem antifaschistischen Widerstandskämpfer benannt ist, weiß, dass es sich hier nicht gerade durch historisches Feingefühl auszeichnet, weil seinerzeit mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten die jüdischen Vereinsmitglieder (immerhin ein Drittel) Tennis Borussia verließen, um dem Zwangsaustritt zuvorzukommen, ist nicht bekannt. Sehr wohl bekannt ist aber, dass der Verband auf einen von prominenten Personen und wichtigen Organisationen unterzeichneten Brief bis heute nicht reagiert hat. Na ja, man muss ja nicht alles verstehen.

Harald Petermichl
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