24.08.2021 13:46 |

Effektiv wie Operation

Diabetes-Medikamente auch bei Adipositas wirksam

Sogenannte Inkretinmimetika werden seit Jahren bei Typ-2-Diabetes erfolgreich zur Blutzuckersenkung verwendet. Ihr „Nebeneffekt“ - die Gewichtsabnahme der Behandelten - rückt immer mehr in den Fokus der Experten. Die Wirkstoffe, die auch als GLP-1-Rezeptor-Agonisten bezeichnet werden und synthetisch nachgebildete Darmhormone sind, zeigen sich beim Abnehmen ähnlich effektiv wie eine bariatrische Operation, bei der Magen und/oder der Darm chirurgisch verkleinert werden.

Bei gleichzeitiger Diät und vermehrter körperlicher Bewegung konnten etwa mit Semaglutid Gewichtsreduktionen um bis zu 25 Prozent des Körpergewichts erreicht werden. „Dies zeigen internationale Studien aus dem STEP-Programm an übergewichtigen Patienten mit und ohne Typ-2-Diabetes“, stellte die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie jetzt fest.

Möglichkeiten bisher begrenzt
Bei der medikamentösen Therapie der Adipositas waren die Möglichkeiten bisher begrenzt. Außerdem weisen viele der verabreichten Substanzen gefährliche Nebenwirkungen auf. „Amphetamine wurden wegen des Suchtrisikos vom Markt genommen. Dies gilt auch für Fenfluramin, einen weiteren Amphetamin-ähnlichen Wirkstoff, der den Hunger unterdrückt, wegen seiner herzschädigenden Wirkung. Dies gilt zuletzt auch für den Appetitzügler Lorcaserin wegen eines erhöhten Krebsrisikos“, so Jochen Seufert, Endokrinologe und Diabetologe vom Universitätsklinikum Freiburg.

Inkretinmimetika

Für die Behandlung des Diabetes mellitus Typ-2 werden seit Jahren Inkretinmimetika eingesetzt. Die dem Darmhormon Glucagon-like Peptide 1 (GLP-1) nachgebildeten sogenannten GLP1-Rezeptor-Agonisten imitieren die Wirkung des körpereigenen Hormons GLP-1. Sie senken den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes. Darüber hinaus hemmen sie die Magenentleerung und vermitteln ein Sättigungsgefühl. GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA) sind synthetisch hergestellte GLP-1-ähnliche Moleküle mit längerer biologischer Wirkung. Sie müssen je nach Darreichungsform einmal täglich oder einmal wöchentlich gespritzt werden. GLP-1-RA-Medikamente haben bei Diabetes Typ-2 einen Rückgang von Körpergewicht und Blutdruck gezeigt

Jeder vierte Österreicher zwischen 60 und 74 Jahren fettleibig
Für westliche Industriegesellschaften mit einer Häufigkeit von Übergewicht bei an die zwei Drittel der erwachsenen Männer und etwa der Hälfte der Frauen können solche Behandlungsansätze in Zukunft wichtiger werden. Immerhin sind chirurgische Eingriffe immer mit einem Operations- bzw. Komplikationsrisiko behaftet. Eine medikamentöse Therapie lässt sich bei Nebenwirkungen kurzfristig beenden. In Österreich ist laut Statistik Austria in der Altersgruppe der 60- bis 74-Jährigen jeder vierte von Adipositas betroffen. 18 Prozent der Männer und 15 Prozent der Frauen sind laut Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) adipös (BMI größer als 30).

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