Die Sorgen vor einem neuen Corona-Höhepunkt wachsen. Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 300 drohen wieder wesentlich schärfere Maßnahmen. LH-Vize Christine Haberlander tritt klar dafür ein, die Spitalsbelegung stärker als die Infektionszahlen zu berücksichtigen!
Die vierte Welle nimmt in Oberösterreich kräftig Fahrt auf: Von Donnerstag auf Freitag kamen 291 neue Fälle hinzu. Am ärgsten betroffen ist derzeit die Stadt Wels, in der die Sieben-Tage-Inzidenz binnen 24 Stunden von 202,7 auf 249 schnellte. Bürgermeister Andreas Rabl dazu: „Geht das so weiter, erreichen wir Anfang nächster Woche eine Inzidenz von 300.“
Der Großteil der Patienten im Spital ist nicht geimpft. Impfen bedeutet Schutz für sich selbst und andere.
Tilmann Königswieser, Ärztlicher Direktor
Neues Angebot
Weil ein Drittel der neuen Fälle auf Reiserückkehrer vom Balkan zurückzuführen ist, plant er ein neues Angebot: „Testbusse, speziell für diese Gruppe, in Absprache mit Migrantenvereinen.“ Damit will er den Anstieg abbremsen, denn mit dem Erreichen der kritischen 300er-Marke tritt der Hochinzidenzerlass in Kraft: Wird die Inzidenz von 300 sieben Tage lang überschritten, darf die Stadt nur mehr mit 3G-Nachweis verlassen werden.
Forderung an den Bund
LH-Vize Christine Haberlander sieht das als überholt an: „Weil sich schon so viele Menschen mit einer Impfung geschützt haben, sollte der Erlass geändert werden“, fordert sie den Bund auf. Nicht die Inzidenz, sondern die Belegung der Corona-Stationen in den Spitälern sollte die wichtigste Entscheidungsgrundlage für Ausreisekontrollen sein.
Ich fordere vom Bund auch eine Verstärkung der Grenzkontrollen bei den Reiserückkehrern.
LH-Vize Christine Haberlander
Zwei Geimpfte sind auf der Intensivstation
In den Spitälern ist die Lage noch entspannt, dennoch sieht man die Entwicklung ebenfalls mit Sorge. Am Freitag wurden 42 Covid-Patienten auf Normalstationen behandelt, sechs von ihnen sind älter und haben ihre Immunisierung bereits im Jänner erhalten. Von acht Intensivpatienten sind zwei geimpft. „Es handelt sich um Transplantierte, die eine schwächere Immunabwehr haben“, erklärt Tilman Königswieser, Mediziner im Landeskrisenstab. Er appelliert an Nicht-Geimpfte, sich den Gratis-Piks zu holen: „Es geht nicht nur um Selbstschutz, sondern auch darum, andere zu schützen.“
Weiter Impf-Schlusslicht
Mit einer Impfquote von 52,8 Prozent (laut Sozialministerium) ist OÖ Schlusslicht im Bundesländervergleich. Und die Zahl der Impfungen ist stetig im Sinkflug, diese Woche waren es erst 3873 Erstimpfungen – siehe Grafik. Weil Impfen vor Ort in den Gemeinden am besten funktioniert, gibt es weiterhin Pop-Up-Impfangebote – siehe Infobox rechts.
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