23.02.2011 12:27 |

Western mit Bridges

Wildwest-Macho und Prärie-Lolita: "True Grit"

Mit dem nostalgisch gefärbten Neo-Western "True Grit" wandeln die Regie-Brüder Ethan und Joel Coen auf den Spuren von John Wayne. Zehn Oscar-Nominierungen in den Satteltaschen zeugen von der furiosen Umsetzung eines Klassikers. Großartig: Jeff Bridges als grantelnder Schurkenjäger und Hailee Steinfeld als Mädchen mit Mission!

Ein störrisches Gör, gerade einmal 14 Jahre alt. Zwei straffe Zöpfe zum Rosenblütenmund, der trotzige Blick im Schatten der Hutkrempe von Trauer umflort. Und Wut! Weil man ihr, Mattie Ross, das Liebste genommen hat: den Vater. Und Mattie will Blutrache.

In dem ruppigen US-Marshal Cogburn, einem Whiskey-getränkten Eigenbrötler, der den Finger geübt auf dem Abzug trägt, hat sie einen nicht gerade rechtschaffenen Verteidiger des Gesetzes gefunden, der sich für ihr Vorhaben, den Mörder ihres Vaters zu finden, gegen Geld instrumentalisieren lässt. Wohl auch, weil das bockige Mädchen mit den großen Kinderaugen, das vom religiösen Prinzip der Sühne angetrieben wird, seinen Beschützerinstinkt weckt.

Auf den Spuren von John Wayne
Eine Prärie-Lolita - grandios besetzt mit der blutjungen Hailee Steinfeld -, die in ihrer wild entschlossenen Unerbittlichkeit und Zähigkeit wahren Mut, also "True Grit", beweist. Ein inszenatorischer Geniestreich der Coen-Brüder, die sich hier auf den Spuren von John Wayne erstaunlich sattelfest erweisen. Letzterer hatte für seine Performance als Reuben Cogburn seinen einzigen Oscar erhalten.

Nun drückt Jeff Bridges diesem Part voll geballter Macho-Schonungslosigkeit und mit schwarzer Augenklappe seinen eigenen Stempel auf. Dass sich Ethan und Joel Coen an dem hehrsten aller Hollywood-Genres - dem Western - vergreifen, darf als echte Mutprobe in Sachen Regie gewertet werden.

Schon in der filmischen Adaption von Cormac McCarthys Roman "No Country for Old Men", in der Javier Bardem den mit Schlachtschussapparat bewaffneten irren Kopfgeldjäger gab, fand die menschliche Verrohung in der Wildheit der Natur ihr perfektes Passepartout.

Matt Damon als Ranger
Auch in "True Grit" unterlegen imposante Landschaftstableaus - Lokalkolorit pur aus Texas und New Mexico - die Wildwest-Odyssee einer trauernden Tochter und eines grantelnden Raubeins durch unwegsames Indianerterrain, der sich Matt Damon als unbedarfter Ranger anschließen wird. Dass die Coen-Brothers die Gesetzlosigkeit des Wilden Westens durch surreale Momente, weich gerittenen Zynismus und staubtrockenen Humor unterstreichen, versteht sich von selbst.

Mattie, die mit ihren unschuldigen Reizen sowohl väterliche als auch verschämt romantische Gefühle bei ihren ungehobelten männlichen Begleitern weckt, behauptet sich kühn in einem patriarchalisch geprägten Umfeld und reift letztlich vom ungestümen Trotzkopf zur Anführerin einer Mission, die eines reinen Herzens und zweier Pistoleros bedarf.

Bridges: "Uns fehlen heute Mythen"
Jeff Bridges' Rollenzugang ist souverän. Dass er sich selbst dabei nie verleugnet, sondern neben dem Cowboy auch den alternden Hippie und den "Dude" aus "The Big Lebowski" augenzwinkernd aufblitzen lässt, adelt die Verfilmung ungemein. Schließlich vergreift er sich ja an einem Mythos. Bridges: "Ich glaube, uns fehlen heute Mythen. Viele Menschen sind orientierungslos. Und alte Helden sind tote Helden!"

Die Zusammenarbeit mit Hailee Steinfeld genoss der Vater dreier Töchter sichtlich. Bridges: "Ich lebe ja - selbst verschuldet (!) – in einem Frauenhaushalt! Das erdet ungemein. Klar hat Hailee den väterlichen Beschützerinstinkt in mir angeknipst. Und weibliche Sturheit sitze ich einfach aus - in diesem Fall im Sattel!" Gerade nimmt er ein Countryalbum mit T-Bone Burnett auf. Und der Oscar, den er für "Crazy Heart" im letzten Jahr bekam, ist nicht nur güldene Deko, sondern steter Ansporn, sich als Schauspieler alles abzuverlangen. Sein Credo: Ohne Leidenschaft ist alles Talent nichts.

von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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