11.07.2021 11:00 |

„Sand ins Getriebe“

Corona-Folgen: Autokauf ist derzeit wie Lotterie

Das Wunschkonzert früherer Jahre ist für Tiroler Autokäufer vorbei: Wer sich derzeit für einen Neuwagen interessiert, muss mit Lieferverzögerungen rechnen, denn die Corona-Folgen haben die fragilen globalen Produktionsketten durcheinander gebracht. „Die Ursachen sind vielfältig, da gibt es keinen roten Faden“, sagt Dieter Unterberger, Autohändler (BMW und andere Marken) und Spartenobmann im Handel.

„Wir sind massiv in dieser Problematik drinnen“, schnauft Unterberger. Dass es weltweit an Mikrochips mangelt, ist kein Geheimnis. Doch die Gründe für die stockenden Auslieferungen sind viel breiter gestreut. „Schon ein kleiner Engpass bei einem einzelnen Teil reicht aus, um für Verzögerungen zu sorgen – auch bei bereits bestellten Autos“, schildert Unterberger. Abzuschätzen, welche Modellvariante zum Problem wird und welche nicht, sei vorher aber praktisch unmöglich.

Vom Chip bis Tacho, vom Lack bis Schiebedach
Einmal seien es tatsächlich die mangelnden Mikrochips – aber zuletzt kamen den Händlern auch ganz andere Probleme bei bestimmten Modellen unter: der fehlende Tacho, das Schiebedach, eine bestimmte Lackfarbe oder einzelne Plastikteile. „Die Autobranche ist extrem entwickelt und verzweigt. Wenn es irgendwo hakt, geraten die gesamten Abläufe durcheinander.“

Die Autoteile kommen aus der ganzen Welt
Davon kann auch Franz Schwarzenauer (Nissan Kirchbichl) ein Lied singen: Der neue Qashqai kam zwölf Monate (!) später als zunächst angekündigt: „Ein wichtiges Werk in England hat monatelang fast nichts produzieren können.“ Wenn die Stoßdämpfer aus der Türkei, die Sitzbezüge aus Bangladesch und die Reifen aus Skandinavien kommen, genügen bereits Corona-Verwerfungen in einem dieser Länder, um den Neuwagen-Ausstoß zu verringern. „Zuletzt hatten wir auch einen Fall, wo es an der gewünschten Farbe haperte.“

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Schon sechs bis zwölf Monate vorher sollte man derzeit die Lage sondieren. Wenn das Pickerl des alten Autos im September abläuft, könnte der Gang zum Autohaus im Juli schon reichlich spät sein.

Franz Schwarzenauer

Auch Blechteile, die nach Unfällen gefragt seien, kämen oft erst nach vier bis fünf Wochen. Spartenobmann Unterberger spricht dennoch von einem funktionierenden Markt, die Lage werde sich hoffentlich bald beruhigen. Schwarzenauers Tipp für Autokäufer lautet: „Schon sechs bis zwölf Monate vorher sollte man derzeit die Lage sondieren. Wenn das Pickerl des alten Autos im September abläuft, könnte der Gang zum Autohaus im Juli schon reichlich spät sein.“

Auf und Ab bei Zulassungen
Generell erlebt die Branche derzeit ein wildes Auf und Ab: Im ersten Quartal 2020, als die Corona-Krise langsam akut wurde, sackten die Tiroler Neuzulassungen gegenüber 2019 um 38,8 Prozent ab. Im ersten heurigen Quartal stiegen die Neuzulassungen demgegenüber wieder um 31,1 Prozent an.

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