Franz H. (54) ist verärgert. Seit Jahren muss er wegen eines zu hohen Cholesterin-Wertes „Sortis“ einnehmen. Und das wird sich in Zukunft auch nicht ändern. „Mein Arzt sagte mir, dass ich dieses Medikament bis zu meinem Lebensende brauche“, erzählt er.
Arzt verrechnet Leistung der Kasse
Schlimm genug, dass ihm diese Medikation auf Dauer erhalten bleibt. Was den Patienten aber noch mehr stört, ist die Tatsache, dass er vom Arzt immer nur die „Ration“ für einen Monat verschrieben bekommt. So muss der 54-Jährige zwölf Mal im Jahr zum Arzt – und was macht er dort? „Ich spreche mit der Sprechstundenhilfe, die mir das Rezept ausdruckt, dann kann ich wieder gehen.“ Natürlich steckt die Assistentin die E-Card und der Arzt verrechnet die Leistung der Krankenkasse.
„Warum kann mir der Arzt keine Jahresration verschrieben?“, versteht der Patient die Praxis nicht. „Ich muss Monat für Monat hin und die Gebietskrankenkasse muss für etwas zahlen, was man sehr leicht einsparen könnte.“ Als er seinen Hausarzt darauf ansprach, sagte dieser, dass es ihm nicht erlaubt sei, mehr als einen Monat zu verschreiben.
Doch das stimmt nicht. „Natürlich hat die Regelung einen Sinn. Denn der Arzt soll seinen Patienten regelmäßig sehen und über eventuelle Beschwerden oder Nebenwirkungen am Laufenden sein,“ erklärt Siegfried Preindl, leitender Arzt der Tiroler Gebietskrankenkasse (TGKK) vorweg. Und dass nur die Assistentin das Rezept ausdruckt? „Das sollte auf keinen Fall sein.“
Drei-Monats-Packungen sind durchaus möglich
Preindl rügt den betreffenden Arzt aber doppelt, denn er hat dem 54-Jährigen nicht die ganze Wahrheit gesagt: „Es ist – gerade bei Sortis etwa – sehr wohl möglich, Drei-Monats-Rationen zu verschreiben. Allerdings muss er dazu eine Bewilligung bei uns einholen.“ Das sei aber nur ein Formalakt und werde im Regelfall genehmigt.
Aber natürlich „sieht“ der behandelnde Arzt seinen Patienten dann nur noch viermal im Jahr, er kann dann auch nur viermal die E-Card stecken und damit der TGKK den Patientenbesuch bei ihm verrechnen.
von Stefan Ruef, Tiroler Krone
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