Bei Referendum
Südsudan: 99,6 Prozent stimmten für eigenen Staat
Das vorläufige Endergebnis wurde ausgerechnet am ersten Tag des Gipfels der Afrikanischen Union (AU) in Addis Abeba bekannt gegeben. Das Treffen der Staats- und Regierungschefs steht unter dem Motto "Mehr Einheit durch gemeinsame Werte". Dass es der letzte Gipfel mit einem geeinten Sudan ist, war schon klar.
Volksfeststimmung bei Referendum
Beim Referendum herrschte Volksfeststimmung, nun bemüht sich die südsudanesische Regierung, die Gefühle des Nordens nicht noch mehr zu verletzen. Salva Kiir, der Präsident des bisher teilweise autonomen Südens, wies die Armee an, auf Freudensalven zu verzichten. Auch laute Jubelfeiern sollten bis zur Geburtsstunde des neuesten Staates Afrikas im Juli möglichst ausbleiben.
Bei der Vorstellung der vorläufigen Ergebnisse betonte Mohamed Ibrahim Khalil, der Vorsitzende der Referendumskommission, die historischen Beziehungen zwischen Nord und Süd. "Diese unauflöslichen Beziehungen werden nicht verschwinden, sondern sich wandeln. Wir werden über persönliche Vorurteile und politische Wirren hinauswachsen."
Norden will Ergebnis respektieren
In der vergangenen Woche kam Kiir zum ersten Mal seit der Volksabstimmung in Khartum mit Al-Bashir zusammen. Dieser hatte bereits vor der Abstimmung zugesichert, der Norden werde die Entscheidung der Südsudanesen respektieren und eine gute Zusammenarbeit mit dem Süden anstreben.
Überraschend kommt das Votum der Südsudanesen nicht. Zu lange fühlten sie sich im eigenen Land als Bürger zweiter Klasse, als Schwarzafrikaner von den arabischstämmigen Politikern des Nordens benachteiligt und diskriminiert. Selbst Oppositionsparteien im Norden rügen, die Regierung von Präsident Omar Al-Bashir habe nicht genug unternommen, um den Menschen im Süden die Einheit des bisher größten Landes Afrikas schmackhaft zu machen.
"Bashir steht das Wasser bis zum Hals"
Nun bläst Al-Bashir, der für die absehbare Teilung des Landes verantwortlich gemacht wird, ein zunehmend scharfer Wind ins Gesicht. Er wird massiv von der Opposition bedrängt. Preissteigerungen und Sparmaßnahmen, die die Regierung in Khartum mit Blick auf die absehbaren Einnahmeverluste nach dem Wegfall der Ölquellen im Südsudan einleitete, sorgen in der Bevölkerung für Unmut. "Man sieht, dass Bashir das Wasser bis zum Hals steht", ist aus Kreisen ausländischer Diplomaten zu hören. Die Parteigänger Al-Bashirs seien zunehmend verunsichert.
Im Norden gärt es. Regierungsgegner haben zu Demonstrationen aufgerufen. "Es ist an der Zeit, dass wir unsere gottgegebene Stimme nutzen, um gegen eine ungerechte Regierung zu demonstrieren, die bereit ist, ihr Volk und ihr Land zu opfern, um an der Macht zu bleiben", hieß es. "Es ist an der Zeit, dass wir für unsere Rechte kämpfen, so wie unsere Brüder in Tunesien und Ägypten."
Kronen Zeitung als bevorzugte Google-Quelle hinzufügen 






Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.