20.05.2021 15:56 |

Schauspielhaus Graz

Mit einer Doppelpremiere aus dem Theater-Lockdown

Die Freude, Theater wieder live erleben zu können, war im Zuschauersaal ebenso spürbar wie auf der Bühne. Das Schauspielhaus Graz startete mit einer Doppelpremiere aus dem Lockdown: Sandy Lopičićs musikalische Revue „Ois Offn!“ und „Flüstern in stehenden Zügen“ von Clemens J. Setz sind ab sofort zu sehen.

Eine Gruppe von Menschen wird aus ihrem höchst unterschiedlichen Alltag gerissen und landet an einem seltsamen Ort. Nur zaghaft nähern sie sich einander an - vor allem mit Hilfe von Musik. Aus den Fremden wird schließlich eine Gemeinschaft, „die sich irgendwann sicher schon einmal begegnet ist“.

Tragik und Komik gehen Hand in Hand
Gemeinsam mit sieben Schauspielern und fünf Musikern (wobei der Unterschied nicht immer erkennbar ist) hat Lopičić diesen Abend erarbeitet. Und es gelingen wunderbare Szenen, in denen Tragik und Komik Hand in Hand gehen, Zärtlichkeit und Brutalität einen Bund schließen, die Liebe und das Scheitern stattfinden dürfen. Das alles macht auch in einer unsicheren Situation Mut.

Berührend agieren Beatrice Frey und Rudi Widerhofer als älteres Paar, stark Susanne Konstanze Weber als „altes Zirkuspferd“, Sarah Sophia Meyer als Paradiesvogel und Beatrix Doderer als eingefrorene Braut; witzig und mit Tiefgang Oliver Chomik als Killer und Clemens Maria Riegler als Abenteurer. Top die Musiker deeLinde, Alexander Christof, Miloš Milojević, Sašenko Prolić und Raphael Meinhart. Ein schöner Abend, der zeigt, was Theater alles kann!

Neues Setz-Stück in Haus 2
Seltsam ist auch der Alltag des Mannes, den Clemens J. Setz in seinem neuen Stück „Flüstern in stehenden Zügen“ beschreibt. Denn dieser C., der eigentlich in einem Reparaturladen für Computer jobbt, verbringt seine Nächte damit, Internet-Betrüger anzurufen und den kommunikativen Spieß umzudrehen: Denn statt sich von ihnen heiklen Daten abschwätzen zu lassen, fischt er nach den realen Identitäten der Gesprächspartner.

Regisseurin Anja Michaela Wohlfahrt surft mit ihrer Inszenierung unaufgeregt zwischen virtuellen und realen Räumen und holt dafür den steirischen Schlagwerker Grilli Pollheimer als musikalischen Wellenschläger auf die Bühne.

Den typisch Setz’schen Sonderling C spielt Raphael Muff als Getriebenen, der seiner Sehnsucht nach Austausch mit sportlicher Verzweiflung nachgeht und dabei nicht nur Frust sondern auch unerwartete Freunde findet. Franz Solar steht ihm am anderen Ende der Leitung mit unzähligen Dialekten gegenüber und zieht als Callcenterboss auch die Zuseher ins Geschehen hinein. Und Evamaria Salcher ist als Kundin des Reparaturladens das schüchtern-reale Gegengewicht zum virtuellen Geplänkel.

Christoph Hartner
Christoph Hartner
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