Prozess verschoben

Kostenloser “Armen-Anwalt” für Auer-Welsbach

Kärnten
22.01.2011 13:14
Gerüchte gab es schon vorher, am Freitag wurde es Gewissheit: Wolfgang Auer-Welsbach hat seinen Verteidiger gefeuert und wird nun von seinem früheren Anwalt vertreten. Dieser arbeitet allerdings als kostenloser Verfahrenshelfer, da der Kärntner Millionenjongleur ja kein Geld haben soll. Durch diesen Wechsel wird auch mit einem baldigen Geständnis des 54-Jährigen gerechnet.

"Das Mandat wurde aufgelöst", ist der Klagenfurter Anwalt Michael Sommer verschnupft. Monatelang hat er sich auf das Betrugsverfahren vorbereitet, fuhr in den bisherigen vier Verhandlungstagen eine extreme Konfrontationslinie zur Staatsanwaltschaft. 

Neuer Anwalt muss kostenlos arbeiten

Offiziell soll sich Wolfgang Auer- Welsbach die teuren Dienste des Strafrechtsexperten nicht mehr leisten können. "Meine Konten sind eingefroren, meine Frau bezahlt die Verteidigung, solange sie eben kann", hatte der 54-jährige Kärntner bereits zu Prozessbeginn erklärt. Deshalb habe er nun auch Anspruch auf einen Verfahrenshelfer, da er als mittellos gilt. Dieser wird von der Rechtsanwaltskammer bestellt und muss kostenlos arbeiten. 

Was für ein Zufall, dass sich gerade Auers "alter" juristischer Berater für diese Aufgabe gefunden hat: "Ich habe AvW schon früher vertreten und habe mich als Menschenfreund bereit erklärt, ihn nun im Rahmen der Verfahrenshilfe vor Gericht zu verteidigen", erklärt Franz Großmann launig. Wie er 33.000 Aktenseiten aufholen will? "Ich gehe eine Woche in Klausur und lese, lese, lese." Daher könne bereits am 31. Jänner weiterverhandelt werden. 

Insider rechnen mit Geständnis

Und für diesen Tag rechnen Insider damit, dass es im AvW- Verfahren eine Wende geben könnte: Denn möglicherweise steht Auer- Welsbach vor einem Geständnis, könnte die angeklagten Fakten – Betrug, Untreue, Aktienmanipulationen, Beweismittelfälschung – doch zugeben. Was für die geschädigten 13.500 Anleger eine Erleichterung wäre. Sie haben sowieso Ärger genug: "Wir müssen ihre Forderungen im Konkurs bestreiten", so Masseverwalter Gerhard Brandl. In einem Musterverfahren soll der OGH zu einer eindeutigen Judikatur gezwungen werden.

von Kerstin Wassermann, Kronen Zeitung

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