18.05.2021 13:09 |

Schlichtungsbericht

Mehr Beschwerden: Zustellprobleme durch Paket-Boom

Der coronabedingte Boom des Internethandels hat 2020 zu deutlich mehr Zustellproblemen bei Paketen geführt. Die Zahl der Postdienste-Schlichtungsfälle bei der Regulierungsbehörde RTR stieg um 18 Prozent auf 612. Davon entfielen 426 Verfahren auf Pakete. Pro Monat würden die Behörde bis zu 1000 Post- und Paket-Empfangsbeschwerden erreichen, sagte der RTR-Geschäftsführer für den Fachbereich Telekommunikation und Post, Klaus Steinmaurer, am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

2020 wurden in Österreich insgesamt 231 Millionen Pakete und 551 Millionen Briefe verschickt. Der Anstieg der Schlichtungsverfahren in diesem Bereich sei „zwar bedauerlich“, müsse aber durch die großen Sendungsmengen bei Briefen und Paketen „in einem anderen Licht“ betrachtet werden, sagte der RTR-Chef.

Im Februar hat die Regulierungsbehörde gegen den Paketdienst DPD Austria ein Aufsichtsverfahren eingeleitet. Es geht vor allem um nicht erfolgte Zustellversuche von Paketen. Steinmaurer wollte das laufende Verfahren nicht kommentieren. Man werde aber in den nächsten Wochen eine Entscheidung kommunizieren. Der Regulierungsbehörde-Chef verwies auf die Mitte Februar gestartete RTR-Website für Post-Empfangsbeschwerden. In der ersten Woche gab es 1451 Beschwerden, zuletzt waren es 213 Beschwerden pro Woche. Ziel des Monitorings sei es herauszufinden, ob es strukturelle Zustellprobleme in bestimmten Gegenden gebe, so Steinmaurer.

Paketdienste von Corona-Pandemie „ein bisschen überrant“
Auf die österreichische Post entfielen im Vorjahr 490 Postdienste-Schlichtungsverfahren, im Jahr 2019 waren es 336. Die Zahl der Schlichtungsfälle bei DPD stieg von 36 im Jahr 2019 auf 61 im Coronajahr 2020 und bei GLS von 17 auf 31. Die Post- und Paketdienstleister seien in der Corona-Pandemie „ein bisschen überrannt“ worden, kommentierte der RTR-Geschäftsführer die Branchenentwicklung. Es gebe aber „eine Lernkurve“.

Telekom-Betreiber zeigten sich kulant
Im Bereich Kommunikationsdienste registrierte die RTR im vergangenen Jahr 2066 Schlichtungsverfahren. Das ist ein Plus von sechs Prozent gegenüber 2019. 1941 Verfahren entfielen auf den Bereich Telekommunikation, 125 Verfahren auf den Bereich Medien. Die Einigungsquote sei mit 82 Prozent so hoch wie noch nie und der durchschnittliche Streitwert je Verfahren mit 357 Euro so niedrig wie noch nie gewesen, so Steinmaurer mit dem Verweis auf den Jahresbericht 2020 der Schlichtungsstellen.

Lob für die Telekombetreiber gab es vom Leiter der RTR-Rechtsabteilung, Gregor Goldbacher. In der Corona-Zeit hätten sich die Betreiber bisher kulant gezeigt. „Da ist nicht viel diskutiert worden, das war erfreulich“, so Goldbacher. Dies mache die Schlichtung einfacher.

Starker Anstieg bei Betrugsanrufen
Viele Beschwerden bei der RTR gab es 2020 zu Betrugsanrufen. Über die Online-Meldestelle für Rufnummernmissbrauch registrierte die Behörde im vergangenen Jahr 28.379 Beschwerden zu Betrugsanrufen, im Vergleich zu 2019 ist das ein Anstieg um 170 Prozent. 14.724 Beschwerden davon entfielen laut RTR auf sogenannte Ping-Anrufe, 2019 waren es 7151.

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