28.04.2021 16:00 |

Folgen von Covid-19

Genesen und doch krank

Mehr als 520.000 Österreicher gelten seit Anfang April als von Corona geheilt, die akute Infektion dauert im Schnitt rund 14 Tage. 10-20 Prozent fühlen sich aber auch noch Wochen und Monate danach krank und haben anhaltende Beschwerden: Sie leiden unter Folgeerscheinungen, zusammengefasst unter der Bezeichnung „Long Covid“.

Dazu zählen anhaltende Müdigkeit und rasche Erschöpfung („Fatigue“), Atembeschwerden, chronischer Husten, Muskel- und Gelenksschmerzen, Schlafstörungen, Geruchs- und/oder Geschmacksstörungen, Schmerzen in der Brust, Angstzustände, Depressionen bis hin zu Haarverlust. Aber auch Gedächtnis- und Sprachfindungsstörungen spielen - selbst bei jüngeren Patienten bzw. mildem Verlauf - eine Rolle. 40 % der Betroffenen entwickeln ein bis fünf Symptome, 60 % sogar mehr als fünf. Am häufigsten - in mehr als 2/3 aller Fälle - kommt es zu chronischer Erschöpfung, was versteht man darunter? „,Fatigue‘ ist eine neuroimmunologische Erkrankung, die zu einem ausgeprägten und anhaltenden Gefühl von körperlicher bzw. mentaler Erschöpfung, Müdigkeit und Antriebslosigkeit führt. Kognitive Einschränkungen, wie z.B. Konzentrationsstörungen, Schwierigkeiten beim Denken und dem Durchführen von Handlungen sind häufig“, erklärte OA Priv.-Doz. Dr. Markus Hutterer, Stellv. Ärztlicher Direktor des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder Linz und Facharzt für Neurologie auf einer Online-Pressekonferenz.

Neu entdeckte Risikofaktoren für „Long Covid“

Risikofaktoren, die bei der Entwicklung eines schweren Verlaufes eine Rolle spielen, sind auch bei Long Covid von Bedeutung. Dazu zählen bekannterweise Bluthochdruck, Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen oder Adipositas. Zusätzlich zu den klassischen Vorerkrankungen nehmen aber noch andere Faktoren eine wichtige Rolle ein, fassten die Linzer Experten Studienergebnisse zusammen. So ist die Wahrscheinlichkeit, nicht zum normalen Gesundheitszustand zurückzukehren, bei Menschen über 50 Jahren sowie mit psychischen Erkrankungen in etwa doppelt so hoch. Zudem korreliert die Anzahl der Symptome der Corona-Infektion mit der Wahrscheinlichkeit für Long Covid. Das heißt: Leidet ein Patient gleich zu Beginn unter vielen Beschwerden (wie Atemnot, Husten, Geruchsverlust usw.) steigt damit das Risiko für Long Covid. Aber auch das Geschlecht hat Einfluss: Denn es sind Frauen zwischen 40 und 60 Jahren, die überdurchschnittlich häufig von Long Covid betroffen sind - und das, obwohl beim akuten Verlauf Männer einem höheren Risiko für einen schweren Verlauf ausgesetzt sind und häufiger im Spital aufgenommen werden müssen.

Es trifft auch junge Menschen ohne Vorerkrankungen

Junge Menschen ohne Vorerkrankungen und auch solche, die sich aufgrund ihrer körperlichen Verfassung gesund fühlen, wiegen sich oftmals in trügerischer Sicherheit. Aber: Etwa 35% der lediglich leicht Erkrankten, bei denen kein Spitalsaufenthalt notwendig war, waren 5-12 Tage nach dem PCR Test noch nicht wieder fit, so eine aktuelle Studie. Selbst junge und zuvor gesunde Patienten zwischen 18 und 34 Jahren hatten in dieser Zeit zu 26% nicht wieder zu ihrem ursprünglichen Gesundheitszustand zurückgefunden.

Monika Kotasek-Rissel
Monika Kotasek-Rissel
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