18.04.2021 20:00 |

Tirols LK-Präsident:

Entscheidende Jahre für Land- und Forstwirtschaft

Josef Hechenberger hat bei der Landwirtschaftskammer-Wahl zwar verloren, doch mit 75 Prozent ein stattliches Ergebnis erreicht. Die „Krone“ sprach mit ihm über seine kurz- und mittelfristigen Ziele. Über das Langfristige will er derzeit noch nicht reden.

Josef Hechenberger wurde bei der Landwirtschaftskammerwahl im März erneut zum Tiroler Präsidenten gewählt. „Sein“ schwarzer Bauernbund hat zwar knapp zehn Prozent verloren, doch bei einem Votum von rund 75 Prozent ist das verschmerzbar. Davon können andere nur träumen. In der 16-köpfigen Vollversammlung stellt der Bauernbund 13, die Unabhängigen Bauern zwei Mandate, die Grünen eines. Die Blauen sind leer ausgegangen. Und die Roten? Genau! Die gibt es bei den Bauern nicht.

Entscheidende Jahre für Land- und Forstwirtschaft
Was sind nun Hechenbergers Ziele für die kommende Periode? „Die nächsten Jahre sind sicherlich entscheidend für die Entwicklung der Land- und Forstwirtschaft in Tirol. Einerseits gilt es, die entsprechenden politischen und damit auch finanziellen Rahmenbedingungen abzusichern. Gerade das Berggebiet hat produktionsseitige Nachteile, die finanziell ausgeglichen werden müssen“, sagt der Präsident im „Krone“-Gespräch. Andererseits müssen die Betriebe mehr Wertschöpfung erwirtschaften. Es könne nicht sein, dass der Produzent nur das vom Kuchen bekommt, was Handel und Verarbeiter übriglassen.

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Oberstes Ziel ist es, die bäuerliche Produktion in Tirol abzusichern. Ein Weg, um das zu erreichen, ist die Vermarktung zu verbessern.

Josef Hechenberger

Auf den Jahresschwerpunkt der Kammer – die Direktvermarktung – angesprochen, sagt Hechenberger: „Oberstes Ziel ist es, die bäuerliche Produktion in Tirol abzusichern. Ein Weg, um das zu erreichen, ist die Vermarktung zu verbessern. Das ist unser heuriger Schwerpunkt. Wir versuchen mit Best-Practice-Beispielen aufzuzeigen, wie vielfältig die Wege sein können, um einen Betrieb erfolgreich zu führen. Wir haben auch die Beratung in allen Tiroler Bezirken ausgebaut, sodass es überall Ansprechpartner für die Bäuerinnen und Bauern gibt.“

„Chance gilt es zu nutzen“
Die Coronakrise entpuppte sich als Chance für die Landwirtschaft, denn die Nachfrage nach Lebensmitteln aus bäuerlicher Produktion ist gestiegen. „Dies gilt es zu nutzen“, sagt der LK-Chef. Worin sieht er die größten Herausforderungen dabei? „Eine Schwierigkeit ist es, die Flächen in der Produktion zu halten. Der Druck auf Grund und Boden ist in Tirol enorm, der Flächenfraß schreitet zu schnell voran.“ Die Ausweisung landwirtschaftlicher Vorsorgeflächen war ein wichtiger Schritt, um diese Entwicklung etwas zu bremsen. „Gelingt hier kein Umdenken, wird über kurz oder lang die Landwirtschaft bei uns aussterben“, sagt Hechenberger.

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Von einem funktionierenden Miteinander profitieren alle, aber dafür müssen auch alle einen Schritt aufeinander zugehen.

Josef Hechenberger

Aber nicht nur der Erhalt der Flächen, sondern auch der Respekt vor Eigentum entscheide über die Zukunft der bäuerlichen Betriebe: Durch die steigende Freizeitnutzung komme es leider immer wieder zu Konflikten. „Das ist eine große Herausforderung, die wir meistern müssen. Von einem funktionierenden Miteinander profitieren alle, aber dafür müssen auch alle einen Schritt aufeinander zugehen!“

„Diese Frage stellt sich derzeit nicht“
Bei der Frage nach seinen politischen Zielen auf Landesebene hält sich Hechenberger natürlich bedeckt. Stichwort künftiger Landeshauptmann bzw. Landesregierung. Da haben die Bauern stets ein gewichtiges Wort mitgeredet. Und das wird auch in Zukunft so sein. Gibt es also schon Ambitionen in Richtung Landespolitik? „Diese Frage stellt sich derzeit nicht. Ich bin gerade für meine vierte Periode als Präsident angelobt worden. Den davor angesprochenen Herausforderungen will ich mich stellen“, sagt Hechenberger.

Derzeit sitzt der Unterländer im Nationalrat, doch das wird mit Sicherheit nicht seine letzte politische Station bleiben. Am Ende des Tages werden es sich Wirtschafts- und Bauernbund ausmachen, wer nächster Landeshauptmann von Tirol wird. Dass noch einmal der AAB zum Zug kommt, ist eher unwahrscheinlich. Denn diesen Part deckt in Tirol sowieso seit Jahrzehnten der AK-Präsident ab...

Markus Gassler
Markus Gassler
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