05.01.2011 15:08 |

Großes Ganz-Kino

Ein Interview als Zeitreise: "Das Ende ist mein Anfang"

Jahrzehntelang bereist er als Reporter die ganze Welt. Doch im vielleicht wichtigsten Interview seines Lebens ist nicht er es, der die Fragen stellt. Kurz vor seinem Tod bittet der an Krebs erkrankte langjährige "Spiegel"-Korrespondent Tiziano Terzani seinen Sohn zu sich in die Toskana. Er will ihm die Geschichte seines Lebens erzählen. Das Drama "Das Ende ist mein Anfang" ist die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers des 2004 verstorbenen Journalisten.

In gut eineinhalb Stunden zeichnet Regisseur Jo Baier ("Henri 4", "Stauffenberg") auf einfühlsame Weise das intime Zwiegespräch zwischen Vater und Sohn nach, die sich in den letzten ihnen verbleibenden gemeinsamen Monaten mit neuen Augen zu sehen lernen. In den Hauptrollen glänzen der vielfach ausgezeichnete Bruno Ganz ("Der Untergang") und der italienische Jungschauspieler Elio Germano ("La nostra vita"). Erika Pluhar ist als Terzanis deutschstämmige Frau Angela zu sehen.

Die drei Jahre, in denen er nach seiner Krebsdiagnose zurückgezogen im Himalaya gelebt hat, haben den umtriebigen Journalisten sein bisheriges Leben abstreifen lassen wie eine Hülle, aus der er herausgewachsen ist. Seinem 35-jährigen Sohn Folco, der eilig aus New York anreist, tritt er mit langem Bart und in einen weißen Anzug gekleidet gegenüber. "Der Tod ist das einzig Neue, was mir noch passieren kann", sagt Terzani, der längst die Angst vor dem Abschied verloren hat.

"Der Körper fault vor sich hin"
Die malerische Landschaft der Toskana kann nicht vom nahenden Tod Terzanis ablenken. "Der Körper fault vor sich hin. Ich werde mich von ihm lösen und ihn seinem Schicksal überlassen", sagt der kranke Mann. Doch zuvor will er seinem Sohn offene Fragen beantworten, von seinem Leben erzählen. Kindheit in Florenz, Studium in Amerika, eine steile Karriere als Asienkorrespondent: Terzani hangelt sich von Station zu Station seines Lebens und findet eindringliche Worte über den Krieg in Vietnam, China unter Mao, das Kambodscha der Roten Khmer.

Es ist die Lehrstunde eines Alten, der spürt, dass der letzte Vorhang bald fallen wird. Nach Schönrederei und Sentimentalitäten aber steht Terzani nicht der Sinn. Er rechnet ab mit der Konsumwut und der Oberflächlichkeit der Menschen. Und auch ein alter Vater-Sohn-Konflikt bricht wieder auf. "Nie bringst Du die Dinge zu Ende", blafft Terzani Senior. "Lass mich mein Leben leben", faucht der Sohn. Wie nah sich die beiden Männer aber eigentlich sind, zeigt der letzte gemeinsame Spaziergang, der den sterbenden Terzani seine letzte Kraft kostet.

Das sagt "Krone"-Kinoexpertin Christina Krisch zum Film: Basierend auf der Adaption der Reminiszenzen von "Spiegel"-Korrespondent Terzani liefert sich Bruno Ganz einer schauspielerischen Tour de Force aus - zwischen lebendigem Geist und körperlichem Verfall. Erika Pluhar überzeugt als Terzanis fürsorgliche Gattin. Regisseur Jo Baier inszeniert dieses filmische, biographisch nur punktuell ausgeschöpfte Drama als stille Hymne auf ein erfülltes Leben und kontrastiert die bewusste, aber nie larmoyante Auseinandersetzung mit der eigenen Vergänglichkeit mit zum Teil pittoresken Landschaftsbildern. Seitenblicke der philosophischen Art auf einen faszinierenden Weltbürger.

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