„Die Coronakrise ist eine Situation, in der viele Menschen an die Grenze ihrer Belastbarkeit gelangen oder sogar schon darüber sind. Neben all den gesundheitlichen und wirtschaftlichen Aspekten, beschäftigt uns auch eine hohe soziale Komponente", schildert Meinungsforscher Paul Eiselsberg. Vor allem den Familien macht die seit einem Jahr angespannte Lage zunehmend zu schaffen.
Was empfinden Oberösterreichs Eltern als größte Herausforderung, welche Werte rücken stärker in den Vordergrund? Diesen Fragen ging Paul Eiselsberg mit seinen Kollegen des IMAS (International-Marktforschungsinstitut) nach. Im Auftrag des Hilfswerks Oberösterreich wurden Mitte Februar 151 Eltern mit Kindern unter zehn Jahren persönlich befragt. Die Ergebnisse sind eindeutig: 46 Prozent der Teilnehmer empfanden die Zeit seit Ausbruch der Pandemie als „viel herausfordernder“ als die Zeit davor. Für 83 Prozent ist es sogar die „größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg“.
Die Umfrage-Ergebnisse verdeutlichen auch, wie wichtig eine familienfreundliche Infrastruktur ist, wie Wolfgang Hattmannsdorfer, Obmann des oö. Hilfswerks, unterstreicht: „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, dass die Kinderbetreuung vor Ort funktionieren muss. Klar ist, dass wir mit allen Mitteln versuchen müssen, die Bildungs- und Betreuungseinrichtungen so gut es geht, offen zu halten.“
Rückzugspunkt in einer sehr unsicheren Zeit
Hattmannsdorfer, selbst Vater zweier Kinder, weiß um die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts: „Die Familien sind die tragende Säule der Pandemie. Ein Ort von Geborgenheit und Sicherheit in unseren Zeiten.“ Dennoch brachte das „Eingesperrt sein“ in den eigenen vier Wänden auch Probleme mit sich. Wie die Umfrage weiter zeigt, empfanden Eltern die Vermeidung sozialer Kontakte in den Familien und zu Freunden, die Übernahme schulischer Aufgaben, die Beschäftigung der Kinder im Kampf gegen Langeweile, die Organisation der Kinderbetreuung und die Aufrechterhaltung von Harmonie und Konfliktfreiheit besonders belastend – siehe auch Grafik.
Familienglück gewinnt weiter an Stellenwert
Auch wurde besonders gut sichtbar, dass die Krise einen Wertewandel in der Gesellschaft vorantreibt. Immaterielle Dinge wie ein gesunder und bewusster Lebensstil und das Familienglück gewannen an Bedeutung. Gleichzeitig rückten finanzielle oder karrierebedingte Haltungen eher in den Hintergrund.
Dass die Krise unser Leben langfristig umkrempelt, davon sind 83 Prozent der Befragten überzeugt. „Wir können das Rad nicht einfach auf 2019 zurückdrehen. Es wird eine neue Normalität geben“, ist sich Eiselsberg sicher.
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