Die Entwicklung der Insolvenzen im ersten Quartal 2021 mag nur auf den ersten Blick verwundern: Sowohl im privaten als auch im unternehmerischen Bereich sind diese im Vergleich zum Vorjahr rückläufig, besonders deutlich in Tirol. Doch Anträge werden laut Kreditschutzverband nur - illegalerweise - zurückgehalten.
In Anbetracht der schwindenden Einkommen aufgrund von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit wirkt die Insolvenzstatistik für das erste Quartal 2021 geradezu verfälscht: Die Zahl der Privatkonkurse ging in Tirol um 25,8 Prozent zurück, somit ist man nach Salzburg (minus 37,2 %) Spitzenreiter. Bei den lediglich 69 eröffneten Verfahren verzeichnete der KSV1870 insgesamt Passiva in Höhe von 7 Millionen Euro.
Abwarten auf Novelle
Doch der Schein trügt: Die Zahl der verschuldeten Haushalte stieg seit Pandemiebeginn – die Schuldner halten aber trotz gesetzlicher Verpflichtung ihre Anträge zurück. Grund ist die zur Jahresmitte geplante Insolvenz-Novelle. „Die gravierendste Neuerung ist die Verkürzung der Dauer eines Abschöpfungsverfahrens auf drei Jahre“, so der KSV.
Erst 2017 ist die Rückzahlungsdauer von sieben auf fünf Jahre reduziert worden. Laut dem Kreditschutzverband tendiere die Sozialpolitik seit mehreren Jahren in Richtung Schuldner. Diese Benachteiligung der Gläubiger könnte jedoch dazu führen, dass Kredite teurer werden: „Klar ist dabei, dass der sein Eigenheim über 30 Jahre hinweg finanzierende Tiroler Häuslbauer die Zeche zu zahlen haben wird.“ Auch erwarte man mit Eintritt der Novelle einen entsprechenden Nachholeffekt bei den Privatinsolvenzverfahren.
Keine einzige Sanierung
Noch drastischer ist die Situation bei den Unternehmensinsolvenzen: Die reduzierten sich im Vergleich zum Vorjahresquartal im Schnitt um 58,6 Prozent – in Tirol allerdings um 69,2 Prozent! Nur Kärnten liegt noch um einen Prozentpunkt weiter vorne. 16 Tiroler Firmen bilden mit einer Passiva in Höhe von 9 Mio. Euro (36 Mio. Euro im Vorjahr!) einen historischen Tiefstand.
Schon vor Corona lag die Zahl der Pleiten auf einem niedrigen Niveau, die Krise sollte aber eigentlich Auswirkungen zeigen. „Langfristige Stundungen von Abgaben und staatliche Beihilfen führen dazu, dass Unternehmen, die bereits vor der Pandemie schwach aufgestellt waren, am Markt verbleiben können“, erklärt der KSV. Auch würden Betriebe passiv bleiben und auf Zeit setzen – dadurch bleibt eine Marktbereinigung aus.
Im ersten Quartal wurde in Tirol zudem kein einziges Sanierungsverfahren beantragt. Für den KSV ist klar, dass viel mehr geschwächte Betriebe diese Möglichkeit nutzen sollten. Von Zuwarten bei einer Insolvenz rät er ab – so würden nur die Erfolgsaussichten einer Sanierung gemindert. Ab Auslaufen der Stundungen mit voraussichtlich Ende Juni 2021 rechnet man mit einem kontinuierlichen Zuwachs an Firmenpleiten.
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