Nach Problemen in der Kindheit kam der Tiroler Kurt Nairz (55) 1970 im Alter von 15 Jahren in die berüchtigte Erziehungsanstalt Kaiserebersdorf. Bald stellten sich arge Beschwerden mit seinem linken Knie ein.
Der Arzt, der wöchentlich in der Anstalt vorbeischaute, glaubte an eine "Schleimbeutelentzündung" und ordnete Einreibungen mit "Traforil" an. Weil er immer stärkere Schmerzen bekam, wurde der Tiroler sogar noch verhöhnt: "Das Bubi hält keinen Schmerz aus."
Schwere Erkrankung wurde nicht erkannt
"Doch ich hatte eine schwere Knochenmarkerkrankung, die zu einer Sepsis führte", schildert Nairz den Beginn seines lebenslangen Leidensweges. "Nach einigen Monaten im Heim brach ich bewusstlos zusammen und wachte erst zehn Monate später in einem Wiener Krankenhaus wieder auf. Insgesamt musste ich dann noch weitere 18 Monate in Wiener Kliniken und zuletzt in Innsbruck verbringen."
Nach vielen Operationen wurde Bein amputiert
Die Folgen der zu spät erkannten Erkrankung waren fatal. "Ich lernte Orthopädieschuhmacher und übte den Beruf auch aus, musste aber immer wieder längere Zeit in Krankenhäusern verbringen. Vor Jahren musste dann als Folge der alten Verletzung mein linkes Bein amputiert werden. Seitdem bin ich zu 70 Prozent invalide", erzählt der Innsbrucker weiter.
Als er im Sommer erfuhr, dass misshandelte und missbrauchte Opfer von Heimen in Österreich eine Entschädigung erhalten sollen, bemühte sich auch Nairz darum. Zuerst wandte er sich an die Sozialabteilung des Landes Tirol. "Dort erklärte man mir, dass Tirol nicht zuständig sei. Ich müsste mich an die Wiener Stellen wenden."
Über das Jugendamt und die Staatsanwaltschaft Wien kam er zum "Weißen Ring", einem Verein, der sich um Verbrechensopfer kümmert. Dorthin schickte er seine Unterlagen. Doch auch dort kann ihm derzeit nicht geholfen werden. Der Sachbearbeiter zur "Krone": "Wir haben die Unterlagen an unsere Bundeszentrale weitergeleitet, weil Kaiserebersdorf eine Bundeseinrichtung war. Nachdem der Bund aber bisher noch keine Einrichtung für die Erledigung solcher Fälle hat, heißt es warten."
Tiroler Krone
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