US-Justiz ermittelt

Ernst & Young steht unter Verdacht der Bilanzfälschung

Ausland
20.12.2010 12:06
Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen Ernst & Young ist ins Visier der US-Staatsanwaltschaft geraten. Der Firma wird Bilanzfälschung im Zusammenhang mit dem Kollaps der Wall-Street-Bank Lehman Brothers vor zwei Jahren zur Last gelegt, wie das "Wall Street Journal" am Montag berichtete.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft bereitet bereits ein zivilrechtliches Betrugsverfahren gegen das Wirtschaftsprüfungsunternehmen vor. Ernst & Young soll Investoren gegenüber die prekäre Finanzlage der Bank verschleiert haben, so das "Wall Street Journal".

Es wäre das erste Mal, dass einer führenden Buchprüfungsgesellschaft Mitschuld an der Finanzkrise zugewiesen wird. Die Vorwürfe stützen sich auf Geschäfte, die Lehman abgewickelt haben soll, um das wahre Risiko herunterzuspielen. 

Lehman gehörte zu Ernst & Youngs größten Klienten, der den Wirtschaftsprüfern zwischen 2001 und 2008 Gebühren in Höhe von 100 Millionen Dollar (umgerechnet 75,4 Millionen Euro) in Rechnung gestellt haben soll.

Auch Banken im Visier der Ermittler
Das vom New Yorker Staatsanwalt und künftigen Staatsgouverneur Andrew Cuomo (im Bild) angestrengte Verfahren ist Teil weitreichender Ermittlungen, die feststellen sollen, ob einige Banken ihre Kunden getäuscht haben, indem sie Lehmans wahre Schulden in ihren Bilanzen verschleierten. Cuomo hätte in diesem Zusammenhang entsprechende Unterlagen von anderen Instituten angefordert, darunter auch von der Bank of America, berichtete das "Wall Street Journal". 

Hohe Strafgebühr für Ernst & Young im Falle einer Verurteilung
Ernst & Young hat im Falle einer Verurteilung mit hohen Strafgebühren zu rechnen und wird möglicherweise versuchen, den Fall außergerichtlich beizulegen, berichtete das "Wall Street Journal".

Bei den fragwürdigen Geschäften, mit denen Lehman seine Bilanzen systematisch geschönt haben soll, handelt es sich um Rückkaufvereinbarungen, kurz Repos genannt. Bei Lehman geht es dabei um das Repo-105-Programm, das bereits im März bekannt wurde, als der Konkursabwickler feststellte, dass Lehman 50 Milliarden Dollar an Schulden aus der Bilanz eliminiert hatte. Diese Geschäfte wurden schlicht als Wertpapierverkäufe bilanziert anstatt als Schulden. Sie verschleierten hierdurch die miese Finanzlage der Bank.

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