08.03.2021 13:49 |

Tricks der Arbeitgeber

Wenn Unternehmen Mitarbeiter loswerden wollen

Kündigungswellen sind infolge der Corona-Krise auf dem Vormarsch. Einige große Konzerne, darunter die Modeketten H&M, Pimkie oder Adler, planen den Abbau zahlreicher Arbeitsplätze. Betroffen sind vor allem Mitarbeiter in Elternteilzeit oder Langzeitkranke. Nicht nur in Zeiten von Corona setzen Unternehmen auf den Stellenabbau als Mittel zur Kostenreduktion. Mit welchen Tricks Arbeitgeber arbeiten, um unliebsame Mitarbeiter loszuwerden. 

Seit Ende des Jahres 2020 und mit Beginn des neuen Jahres haben immer wieder große Konzerne mit dem Vorhaben, Hunderte Jobs zu streichen, auf sich aufmerksam gemacht. Für unzählige Angestellte würde dies den Verlust ihrer finanziellen Lebensgrundlage bedeuten - in einer Zeit, in der es in den meisten Branchen schwer ist, einen neuen Arbeitsplatz zu finden. Oftmals bleibt Unternehmen keine andere Wahl, um sich aus einer prekären wirtschaftlichen Notlage zu retten.

Doch manchmal steckt ein anderes Motiv dahinter, vermutet Ashkan Saljoughi, Rechtsexperte der Kanzlei Chevalier: „Natürlich gibt es mehr als genug Unternehmen, die aufgrund der Pandemie um ihr Überleben kämpfen, etwa in der Hotellerie und im Gastgewerbe. Dann Mitarbeiter entlassen zu müssen, fällt ihnen gewiss nicht leicht. Wir wissen anhand der Fälle unserer Kanzlei, dass zahlreiche Arbeitgeber, darunter auch Konzerne, eine Corona-bedingte Kündigung lediglich vorschieben, um unliebsame Mitarbeiter loszuwerden.“

Die „Top 5“ der fiesesten Tricks:

  • Freiwilligenprogramme als Tarnung für nachteilige Abfindungsprogramme
  • Unliebsame Mitarbeiter länger in Kurzarbeit schicken
  • Nachteilige Aufhebungsverträge unterschieben
  • Perspektiven im Unternehmen vermiesen
  • Zurückhalten von Gehältern

Junge Mütter häufiger betroffen
Manche Tricks der Arbeitgeber sind so ausgeklügelt, dass sie kaum noch als solche wahrnehmbar sind. Beispielsweise hat der Großkonzern H&M in Deutschland ein sogenanntes „Freiwilligenprogramm“ entwickelt - ein  Abfindungsprogramm für Mitarbeiter, die womöglich freiwillig gegen Abfindung das Unternehmen verlassen möchten. Besonders perfide: Vorgeschlagen für diese Programme werden explizit Mitarbeiter, die sich noch in Elternzeit befinden. Das sind meist junge Mütter, die nicht zu den umsatzstärksten Zeiten, beispielsweise am Abend oder samstags, arbeiten können. Eine fiese Masche, um Mitarbeiter loszuwerden, weiß Saljoughi.

Unter dem Deckmantel der Kurzarbeit
Ob in der Corona-Pandemie oder während anderer wirtschaftlicher Krisen - unliebsame Mitarbeiter werden gerne öfter und länger in Kurzarbeit geschickt als der Rest der Belegschaft. Nur weil ein Arbeitgeber vielleicht auf persönlicher Ebene ein Problem mit einem Mitarbeiter hat, darf dieser gegenüber seinen Kollegen nicht schlechter gestellt werden.

Aufhebungsverträge & Co.
Oftmals machen es sich Arbeitgeber besonders leicht und lassen die Mitarbeiter, denen gekündigt werden soll, einen Aufhebungsvertrag unterzeichnen. Diese Art der Vertragsbeendigung erfolgt zwar einvernehmlich, doch Arbeitgeber stehen grundsätzlich in der Pflicht, ihre Angestellten über die schwerwiegenden Folgen eines Aufhebungsvertrags - etwa die Sperre des Arbeitslosengeldes - aufzuklären. Doch immer wieder kommunizieren Arbeitgeber diese Informationen nicht - besonders betroffen sind Arbeitnehmer, die schlecht Deutsch sprechen.

Langzeitkranke bei Arbeitgebern wenig beliebt
Diese werden gezielt benachteiligt - ihnen wird für die Zeit nach einer möglichen Rückkehr ins Unternehmen keine Perspektive gezeigt. „Wenn Mitarbeitern die Möglichkeit genommen wird, sich aktiv einzubringen, wenn sie merken, dass sie nichts mehr bewirken können, sinkt schnell die Motivation und viele kündigen dann von sich aus. So erreicht der Arbeitgeber sein Ziel, ohne selbst eine Kündigung aussprechen zu müssen“, erläutert Saljoughi.

Mara Tremschnig
Mara Tremschnig
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