26.02.2021 09:47 |

Deutsche Studie:

Urlaubsländer keine entscheidenden Pandemietreiber

Im August des Vorjahres war Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) mit dem mittlerweile berühmten Spruch vor die Kameras getreten: „Das Virus kommt mit dem Auto über die Grenze.“ Den Fokus legte er dabei auf die Reiserückkehrer aus Kroatien sowie andere Länder des Westbalkans und musste dafür viel Kritik einstecken. Eine Studie des deutschen Robert-Koch-Instituts (RKI) kam nun zu dem Ergebnis, dass der Kanzler mit seinen Aussagen wohl eher richtig lag. Die meisten Infektionsfälle kamen demnach aus dem Kosovo sowie aus Kroatien und der Türkei.

Denn die Studie des RKI zu den Corona-Infektionen, die in den Sommerferien 2020 aus dem Ausland nach Deutschland eingeschleppt wurden, gibt der Reiseindustrie gute Argumente und könnte auch dem „Grünen Pass“ noch mehr Rückenwind geben.

„Sommerferienwelle“ im Sommer 2020
Als Mitte Juni des Vorjahres die Grenzen zu den EU-Ländern wieder geöffnet wurden, stieg die Zahl der Infektionsfälle zunächst langsam und dann immer schneller an. Bereits Mitte August sei die Hälfte der Neuinfektionen auf Einschleppungen aus dem Ausland zurückzuführen gewesen. Die Autoren der Studie sprechen von einer „Sommerferienwelle“.

Meiste Infektionsfälle aus dem Kosovo
In vielen Bundesländern sei ein Anstieg der Inzidenz zwei bis drei Wochen nach Ferienende erkennbar. Das RKI erhob dazu eine Liste von Ländern, in denen sich die meisten Reiserückkehrer zwischen Mitte Juli und Mitte September angesteckt hatten. Das Ergebnis: Die meisten Infektionsfälle wurden aus dem Kosovo eingetragen, gefolgt von Kroatien, der Türkei, Bosnien-Herzegowina und Rumänien.

Urlaubsländer erst weiter hinten zu finden
Erst an Stelle sechs und sieben folgten Spanien und Frankreich sowie in weiterer Folge Bulgarien und Italien. Laut dem RKI seien das Länder, aus denen Vertragsarbeiter nach Deutschland kämen (Bulgarien, Rumänien), Heimatländer von Zuwanderern (Türkei und Kosovo) sowie eben die klassischen Urlaubsländer Spanien und Frankreich.

Im Urlaub wenig Kontakt mit Einheimischen
Spanien ist das beliebteste Urlaubsland der Deutschen und von dort wurden auch über den ganzen Sommer Infektionsfälle eingeschleppt, allerdings viel weniger, als die hohe Inzidenz in Spanien vermuten lassen würde. Das RKI sieht den Grund darin, dass Touristen in den Urlaubsländern „oft nur wenig Kontakte mit der einheimischen Bevölkerung“ hätten.

Dadurch sei das Ansteckungsrisiko geringer als bei Personen, die zu Familienbesuchen in ihre Herkunftsländer reisten. Außerdem könnte die Übernachtung in Hotels, die ja besonders strengen Hygieneregeln einhalten mussten, dazu beigetragen haben.

Der Deutsche Reiseverband (DRV) nahm die Ergebnisse der Studie mit Freude zur Kenntnis und betonte: „Die klassische organisierte Urlaubsreise hat nur auf geringem Niveau zum Infektionsgeschehen in Deutschland beigetragen." 

Weniger Tests bedeuten weniger Infektionen
Das RKI schränkte allerdings auch ein, dass die geringe Zahl von gemeldeten Ansteckungen aus Frankreich und Spanien auch daraus resultieren könnte, dass diese Länder erst spät im Sommer wieder als Risikogebiete eingestuft wurden. Deshalb wäre es auch möglich, dass weniger getestet und damit weniger Infektionen bekannt wurden.

Die Studie hebe jedenfalls hervor, wie wichtig umfangreiches Testen von Reiserückkehrern sei. Der DRV forderte bereits, sie zum Anlass zu nehmen, um ein stufenweises Restart-Konzept für den Sommertourismus zu entwickeln, anstatt Reisen zu verbieten.

Quelle: „Süddeutsche Zeitung“

Martin Grob
Martin Grob
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