Seit Juli 2024 im Amt

Nach einer Bundesliga-Saison schon Methusalem

Bundesliga
27.07.2025 07:56
Porträt von krone Sport
Von krone Sport

Wie schnelllebig der Fußball ist, zeigt sich dieser Tage in Österreich besonders. Mit Dietmar Kühbauer (WAC), Stephan Helm (Austria) und Philipp Semlic (WSG Tirol) sind die drei am längsten dienenden Bundesliga-Trainer jeweils seit 1. Juli 2024, also gerade einmal eine Saison lang, im Amt. Die „Methusalems“ ordnen die kurze Halbwertszeit in der Liga mal nachdenklich, mal mit Galgenhumor und am Ende sogar zukunftsoptimistisch ein. 

„Ich sehe das sehr kritisch, weil ich der Überzeugung bin, dass so eine neuralgische Position wie die des Trainers viel mehr Kontinuität haben muss“, sagte Austria-Coach Helm, der im vergangenen Sommer nach wenigen Spielen früh angezählt war. „Ich würde mir mehr Kultur in den Vereinen wünschen in dem Sinn, dass man kritisch miteinander umgeht und Probleme gemeinsam löst“, erklärte Helm und führte eine Statistik an, wonach die Trainer in Topligen eine längere Verweildauer als jene in kleineren Ligen hätten. „Österreich reiht sich da eher unter Länder ein, wo oft emotionsgeleitete Entscheidungen verwurzelt sind. Ich denke, dass das kein gutes Zeichen ist.“

Stephan Helm
Stephan Helm(Bild: APA/GEORG HOCHMUTH)

Wattens-Kontinuität lockte Semlic
Für Semlic liegt die kurze Halbwertszeit der Trainer auch im Spielformat begründet. „Das ist ein bisschen der Modus der Liga, dass es sehr schnell um sehr viel geht“, sagte der WSG-Trainer. Da hast du wenig Durchschnaufphasen und musst natürlich bei uns als Trainer in der Berufswahl dementsprechend die Entscheidung treffen: Will ich da mitmachen oder will ich da nicht mitmachen? Und das Ganze auch so für sich adaptieren, dass man da immer bereit ist, selbst alles gut aufzuarbeiten und zu wissen, um was es auch geht.“

Sein Klub stehe für Kontinuität, betonte Semlic. „Das ist auch der Grund, weshalb ich mich für die WSG entschieden habe. Weil es nicht immer normal ist im Profifußball, dass du Geduld hast.“ Sein Vorgänger Thomas Silberberger war elf Jahre lang Trainer beim Tiroler Verein. „Das spricht für den Verein, für die Verantwortlichen hier und das habe ich auch vom ersten Moment an gespürt, dass da ein Riesenvertrauen in meine Art und Weise ist. Von der Präsidentin bis hin zum Greenkeeper, da passt ganz wenig Blatt Papier dazwischen und das ist das Schöne am Verein. Und meiner Meinung nach eine der großen Säulen, wieso die WSG erfolgreich sein kann.“

Philipp SemlicKühbauer
Philipp SemlicKühbauer(Bild: GEPA)

Helm glaubt an Ende von Hire & Fire
Kühbauer als Trainer-Methusalem der Liga? „Das glaubt man nicht, aber es ist, wie es ist“, sagte Kühbauer erst kopfschüttelnd, dann scherzend: „Trainer bleibt man, wenn man etwas richtig macht. Nicht nur, wenn man – wie ich – gut ausschaut. Jeder kennt den alten Spruch vom Trainer als schwächstem Glied. Ich würde mir wünschen, dass man auch die Unterstützung hat, wenn man durch ein Tal geht und nicht gleich die Reißleine zieht“, sagte der frühere Trainer von Rapid und des LASK.

Didi Kühbauer
Didi Kühbauer(Bild: Florian Pessentheiner)

Das Aus von Peter Pacult beim späteren Bundesliga-Absteiger Klagenfurt steht dafür sinnbildlich. Mit Christian Ilzer und Gerald Scheiblehner wechselten in der jüngeren Vergangenheit aber auch zwei erfolgreiche Trainer in anderen Ligen.

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Trainer bleibt man nicht nur, wenn man – wie ich – gut ausschaut.

Ein scherzender Didi Kühbauer

Helm weiß jedenfalls die Hoffnung zu nähren, dass das Prinzip Hire and Fire im Profi-Business bald zur Seltenheit verkommt. „Ich denke, der Fußball wird sich weiter professionalisieren, Aktionismus und schnelle Trainerwechsel gehören da nicht dazu. Ich kann mir vorstellen, dass das dem Trainerwesen zugutekommt.“ Beinahe ein leuchtendes Beispiel gibt hier der Aufsteiger ab: Mit dem Trainertalent Senft stiegen die Rieder 2023 ab und schafften zwei Jahre später den Wiederaufstieg. „Das ist sehr selten, der Verein hat viel Mut bewiesen“, bedankte sich der 35-Jährige, der sein Amt im März 2023 angetreten hat. Dass er bei einem ununterbrochenen Oberhaus-Engagement noch immer im Sattel sitzen würde, ist freilich reine Spekulation.

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