Neues Studioalbum

Nino de Angelo überrascht mit harter Schlagseite

Musik
02.03.2021 06:00
Porträt von Wien Krone
Von Wien Krone

„Jenseits von Eden“ bleibt ein Fluch über dem Schaffen von Nino de Angelo: Der einzige Nummer-eins-Hit des deutschen Schlagersängers hat mittlerweile fast 40 Jahre auf dem Buckel. Nun hat der 57-Jährige die Ballade frisch aufgemotzt, damit sie sich dem Sound seiner neuen Platte anpasst. Auf dem Album „Gesegnet und Verflucht“ lässt de Angelo sein Schlagerimage vollends hinter sich und dreht die Regler in Richtung eines orchestralen Dark-Metal.

kmm

Schon lange bemüht sich de Angelo, der eigentlich Domenico Gerhard Gorgoglione heißt, um einen neuen Stil. „Rock wollte ich schon immer, aber man ließ mich nicht richtig“, sagt der Sänger der dpa. Die Versuche, etwa mit Blues oder Swing dem Schlager den Rücken zu kehren, waren indes nur halbherzig. „Das war in der Vergangenheit kein Fisch, kein Fleisch.“ Jetzt ein neuer Anlauf. Diesmal unüberhörbar in der Ästhetik etwa von Unheilig („Geboren um zu leben“) oder Joachim Witt („Die Flut“).

Vergangenheitsaufarbeitung
Als de Angelo mit dem Titelstück „Gesegnet und Verflucht“ im Herbst einen Vorgeschmack liefert, zieht er mächtig Aufmerksamkeit auf sich. Mittlerweile wurde das Video millionenfach im Netz abgerufen. „Der Song beschreibt diesen ewigen und ständigen Kampf mit sich selbst“, sagt der Sänger. Für ihn geht es um eine Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit. „Wenn du oben bist ist alles einfach, wenn‘s nach unten geht, bezahlst du dreifach“, heißt es in dem Song.

Als de Angelos Karriere beginnt, ist er noch ein Teenager. Mit seinem Schmachtfetzen „Ich sterbe nicht nochmal“ tritt er 1983 erstmals in der ZDF-Hitparade auf. Einen Tag nach seinem 20. Geburtstag stellt er dort dann „Jenseits von Eden“ vor - und kauft Schlagergrößen wie Udo Jürgens und Vicky Leandros den Schneid ab. Seine tiefsanfte Stimme, Pop mit orchestralen Anleihen und ein Text ohne schlagertypische Stanzen lässt die Komposition des legendären Drafi Deutscher Richtung Chartsspitze durchstarten.

Späte Selbsterkenntnis
Es scheint der Beginn einer hoffnungsvollen Karriere. Doch es kommt alles anders. „Nach “Jenseits von Eden“ ging die Talfahrt eigentlich los“, sagt er heute. „Ich habe mich auf meinen Lorbeeren ausgeruht, denn ich wusste: Ich bin ein begnadeter Sänger.“ Aus seinem Talent habe er nicht das herausgeholt, was er für sich erhofft hatte. „Eigentlich war ich eine faule Sau.“

Die Geschichten in den Zeitungen drehten sich alsbald häufiger um de Angelo selbst als um seine Musik. Und sie reichen für mehrere Leben: Vier Ehen und vier Scheidungen, Konflikte mit der Justiz. Spielschulden, Kokain, Alkohol, Krebserkrankungen, Privatinsolvenz, „Promi Big Brother“. Vergangenen Herbst macht er öffentlich, an COPD erkrankt zu sein. Ein Leiden, das Lungenbläschen zerstört und das Atmen erschwert. „Es schränkt mich sehr ein“, gibt er zu.

Älter und dunkler
Und dieses Image ist nun auch auf Anhieb ersichtlich. „Blessed“ („Gesegnet“) und „Cursed“ („Verflucht“) hat er sich auf die Handrücken tätowieren lassen. In Tinte über der Brust prangt schon länger mit „Semper fidelis“ sein Bekenntnis zu „ewiger Treue“. De Angelos Haare und Vollbart sind schlohweiß, die Stirn zerfurcht. Auf der neuen Platte schmiegt sich Ballade an Ballade, darunter eine Vertonung des berühmten Rilke-Gedichts „Der Panther“ und als Rausschmeißer eben „Jenseits von Eden“. Über den 13 Songs liegt eine dunkle Stimmung aus epischen Streichern und ausbrechenden Harmonien. Die Klarheit von de Angelos Stimme ist mittlerweile einer Verknarztheit gewichen, die durchaus zum musikalischen Stil passt.

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