20.02.2021 12:40 |

„Krone“-Kolumne

Sex unter Kumpels macht nicht gleich schwul

Soziologin und Sexualpädagogin Barbara Rothmüller diesmal über Männlichkeit und sexuelle Orientierung. 

Es ist keine Seltenheit, dass Männer Sex mit anderen Männern haben, sich aber nicht als schwul identifizieren. Die Sexualitätsforscherin Jane Ward hat 2015 sogar ein ganzes Buch über Sex zwischen heterosexuellen Männern geschrieben. Sie und andere Forscher haben dazu Männer in Burschenschaften und im Militär, in Motorrad-Clubs, Gefängnissen, konservativen Vereinen und verheiratete Männer in ländlichen Dörfern befragt. Manche der Befragten hatten mit anderen Männern Sex, um ihre Verbindung zu stärken. Andere waren neugierig, weil sie manchmal eben auch Männer attraktiv fanden oder sahen es als „Hilfe“ unter Kumpels, die gerade ein sexuelles Bedürfnis zu stillen hatten. Häufig hatten diese sexuellen Handlungen zwischen Männern wenig Auswirkung auf ihr Bild als heterosexueller Mann. Im Gegenteil. Sex unter Kumpels war für sie etwas anderes als Sex unter schwulen Männern.

Sex mit Männern macht also nicht automatisch schwul. Sondern schwul ist, wer sich als schwul identifiziert. Also Männer, die Sexualität und Liebesbeziehungen bewusst mit Männern leben. Die erwähnten Männer in der Studie sahen sich selbst hingegen nicht als schwul, zumindest nicht im Sinne der „unmännlichen, verweiblichten Schwulen“, die sie als Bild der „typischen Schwuchtel“ im Kopf hatten. Ein Vorurteil, das nach wie vor sehr verbreitet ist.

Als harte Kerle, die mit anderen harten Kerlen männliche Dinge taten, sich manchmal gegenseitig einen runterholten oder Oralsex hatten, war es für die befragten Männer eine bequeme Möglichkeit, Bedürfnisse mit jemand zu befriedigen, der sexuell kompatibel war. Im Gegensatz zu Sex mit ihren Partnerinnen wurde gelobt, dass Kumpels nicht so anhänglich seien, der Sex mit ihnen also relativ wenig emotionale Verpflichtungen mit sich brachte. Diese sexuellen Begegnungen mit Freunden, nach einem Filmabend, nach einem Bier, ohne Liebe oder Romantik, waren offenbar für einige Männer unspektakulär schön. Ob es in dem Fall verinnerlichte Homophobie war und sich diese Männer in einer anderen Welt als bisexuell oder homosexuell oder heteroflexibel sehen würden, lässt sich schwer sagen.

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Dr.in Barbara Rothmüller, Soziologin und Sexualpädagogin

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