12.02.2021 05:00 |

Heilkräuter

Ja zur Pflanzenhilfe!

Das Interesse an Kräutern als Problemlöser ist seit der Coronakrise besonders deutlich angestiegen. Phytotherapie wird auch zunehmend von Ärzten angeboten. 

Heilkräuter boomen - pflanzliche Präparate werden immer mehr verlangt und sind längst als fester Bestandteil der „Schulmedizin“ zu betrachten. Diese Entwicklung verdanken wir hauptsächlich der modernen Forschung. Das bestätigt Prof. Mag. Dr. Wolfgang Kubelka, ein Pionier auf dem Gebiet der Pharmakognosie (Heilpflanzenkunde): „Für eine seriöse Phytotherapie auf medizinisch-naturwissenschaftlicher Grundlage ist eine Fülle pflanzlicher Arzneimittel verfügbar, die bei verschiedensten Krankheitsbildern hilfreich sein können. Viele Patienten schätzen eine speziell für sie hergestellte Zubereitung auf Rezept sehr - personalisierte Medizin der anderen Art sozusagen.“ Im aktuellen Österreichischen Arzneibuch sind mehr als 30 Teemischungen enthalten, die direkt auf ein Rezept übernommen werden können. Eine Anpassung an den jeweiligen Patienten ist leicht möglich, wie Prof. Kubelka ausführt. Wie sehr das Interesse an pflanzlichen Heilmitteln seit Beginn der Coronakrise angestiegen ist, beobachten unsere Apotheker täglich. Es besteht vor allem Bedarf an alternativer Hilfe gegen Angst und Unruhezustände. Mag. pharm. Karoline Sindelar berichtet: „Neben den erprobten Klassikern wie Passionsblume, Orangenblüte, Hopfen oder Baldrian werden zunehmend auch bisher nicht so bekannte pflanzliche Wirkstoffe verwendet. Wie zum Beispiel Safranextrakt, dem antidepressive und antriebssteigernde Effekte zugeschrieben werden.“

Gerade jetzt sinnvolle Unterstützung
Eine Hilfe, die gerade während der Pandemie wichtig ist. Schließlich gilt als medizinisch gesichert, dass negativer Stress in jeder Form ungünstige Auswirkungen auf die Immunabwehr hat. Abwehrgeschwächte Menschen sind durch Erreger aller Art wesentlich mehr gefährdet, also auch durch die derzeit grassierenden Coronaviren. Doch selbst abseits der momentanen Misere gibt es neue Arbeiten über den Einsatz von pflanzlichen Produkten. Zum Beispiel setzt man in der Gynäkologie gegen Wechselbeschwerden und zur Behandlung des prämenstruellen Syndroms (PMS) auch auf „Pflanzenpower“. Nähere Informationen dazu gibt Prof. Mag. Dr. Hermann Stuppner vom Institut für Pharmazie an der Uni Innsbruck: „Zwei pflanzliche Drogen werden besonders häufig verschrieben - bei PMS Mönchspfeffer und bei Wechselbeschwerden Traubensilberkerze. In beiden Fällen ist die Wirksamkeit klinisch erwiesen. So zeigt zum Beispiel eine Metaanalyse (Zusammenfassung vieler Studien) die Überlegenheit von Mönchspfefferpräparaten gegenüber Placebo.“

Wie der Experte weiter ausführt, sollte die Anwendungsdauer beim PMS mindestens drei Monate betragen: „Bei längerem Gebrauch rate ich den Frauen allerdings, ärztlichen Rat einzuholen.“ Typische Beschwerden des Klimakteriums wie Hitzewallungen, Schlaflosigkeit, Kopfweh, Reizbarkeit und depressive Verstimmung wurden bisher in erster Linie mit Hormonersatzpräparaten behandelt. Seit einigen Jahren gibt es hier ein Umdenken. Dazu Prof. Stuppner: „Die Frauen greifen deutlich häufiger zu pflanzlichen Wirkstoffen. Wie Salbei, Melisse, Baldrian, Johanniskraut oder Hopfen. Die Studienlage ist allerdings eher dünn. Anders bei der aus Nordamerika stammenden Traubensilberkerze. Hier hat sogar die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) eine positive Stellungnahme abgegeben.“

Ergänzende Therapie auch für Kinder
Großen Zuspruch findet die Phytotherapie im Übrigen in der Kinderarztpraxis. Facharzt Prim. Prof. DDr. Peter Voitl verwendet pflanzliche Heilmittel vor allem bei häufigen Erkrankungen wie Atemwegsinfekten oder leichtem Fieber: „Das wird auch von den Eltern gewünscht, und die Einnahmebereitschaft ist hoch.“ Worauf hat der Arzt allerdings zu achten? DDr. Voitl: „Die Präparate für Kinder müssen unbedingt frei von Alkohol sein und sollten nur wenig Zucker enthalten. Sie müssen trotzdem gut schmecken und einfach zu schlucken sein - am besten sind Säfte geeignet. Meine Bitte an die Eltern: Alle anderen verordneten Therapien dürfen nicht vernachlässigt werden!“

Dr. med. Wolfgang Exel, Kronen Zeitung

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