Pjöngjang droht

Nordkorea sieht Halbinsel “am Rande des Krieges”

Ausland
26.11.2010 14:25
Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il hat Südkorea und die USA vor der Abhaltung ihres ab Sonntag geplanten gemeinsamen Militärmanövers gewarnt. Die Übungen der "amerikanischen Imperialisten und ihrer südkoreanischen kriegstreiberischen Marionette" würden die Halbinsel "an den Rande des Krieges" bringen, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur KCNA am Freitag aus einer offiziellen Erklärung.

Die Spannungen zwischen Norden und Süden sind an einen neuen Höhepunkt gelangt, nachdem Nordkorea am Dienstag die südkoreanische Insel Yeonpyeong beschossen hatte. Dabei wurden zwei südkoreanische Soldaten und zwei Zivilisten getötet, 18 weitere Menschen wurden verletzt. Südkorea erwiderte den Beschuss.

Die USA bekräftigten am Mittwoch ihre Unterstützung für die Regierung in Seoul und erklärten, dass sie an dem seit Längerem geplanten See- und Luftmanöver im Gelben Meer festhalten.

Militärübung sorgt für Aufregung
Auch am Freitag gab es Aufregung an der Grenze der beiden Länder, nachdem Nordkorea offenbar eine militärische Übung abgehalten hatte (siehe auch Video). Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums sagte, es seien Explosionen zu hören gewesen, die offenbar aus dem Norden stammen. "Wir nehmen an, dass es sich um Schießübungen handelt", sagte der Sprecher. Nach Angaben des Militärs schlugen keine Geschoße auf südkoreanischem Gebiet ein.

Ein Militärsprecher sagte dem Fernsehsender YTN, rund 20 Granaten seien offenbar auf nordkoreanischem Boden eingeschlagen. Auf der Insel Yeonpyeong, die am Dienstag beschossen worden war, verschanzten sich die verbliebenen Bewohner in Luftschutzbunkern.

Verteidigungsminister musste Hut nehmen
Der südkoreanische Präsident Lee Myung Bak ernannte am Freitag den früheren Generalstabschef Kim Kwan Jin zum neuen Verteidigungsminister. Der 61-Jährige gelte als "typischer Soldat", der sich durch starke Führungskraft auszeichne, sagte ein Sprecher Lees. Zuvor hatte eine Meldung der Nachrichtenagentur Yonhap für Verwirrung gesorgt, wonach der Präsident seinen sicherheitspolitischen Berater Lee Hee Won auf den Posten des Verteidigungsministers berufen habe. Dies wurde vom Präsidentenamt in Seoul dementiert.

Lees Vorgänger Kim Tae Young war am Tag zuvor zurückgetreten. Anlass war die Kritik vieler Landsleute, die Reaktion ihrer Regierung auf den nordkoreanischen Angriff vom Dienstag sei zu zurückhaltend gewesen. 

Truppenreduzierung rückgängig gemacht
Südkorea hatte nach weiteren Drohungen Nordkoreas verschärfte Einsatzregeln für sein Militär angekündigt. Es würden verschiedene Stufen von Gegenangriffen festgelegt, erklärte Staatschef Lee Myung Bak am Donnerstag in Seoul. Dadurch solle die Armee auf "nordkoreanische Provokationen" künftig härter reagieren können. Die Bodentruppen entlang der Grenze zwischen Nord- und Südkorea sollen "drastisch" verstärkt werden, ein Beschluss von 2006 zur Truppenreduzierung bei den Marineinfanteristen werde rückgängig gemacht.

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