19.01.2021 09:59 |

„Hass-Superspreader“

Apple wegen Messenger-App Telegram verklagt

Weil die Messenger-App Telegram nach dem Sturm auf das US-Kapitol nichts gegen extremistische Beiträge auf seiner Plattform unternommen haben soll, hat eine gemeinnützige Organisation jetzt Klage eingereicht - allerdings nicht gegen Telegram, sondern gegen Apple. So hofft man, Telegram aus dem App Store des kalifornischen Konzerns verbannen zu können.

Die Klage wurde von der Coalition for a Safer Web, einer überparteilichen Gruppe, die sich für Technologien und Richtlinien zur Entfernung extremistischer Inhalte aus sozialen Medien einsetzt, und dem Präsidenten der Organisation, Marc Ginsberg, einem ehemaligen US-Botschafter in Marokko, eingereicht. Sie werfen Telegram laut einem Bericht der „Washington Post“ vor, rechtsextremistischen und anderen hasserfüllten Inhalten eine Plattform zu bieten und damit gegen die Nutzungsbedingungen von Apples App Store zu verstoßen.

Ähnlich wie bei der zuvor bereits wegen zu laxer Moderationsrichtlinien von Apple und Google aus den jeweiligen App-Stores verbannten App Parler hofft die Coalition for a Safer Web, mit der Klage Druck auf Apple ausüben zu können und den Konzern so schließlich dazu zu zwingen, Telegram aus seinem Store zu entfernen. Eine ähnliche Klage ist gegen Google geplant.

Die Messaging-App wurde im Jahr 2013 von den Brüdern Pavel und Nikolai Durow gegründet, die auch das russische Online-Netzwerk VKontakte ins Leben gerufen haben. Weil sie von IS-Terroristen genutzt wurde, die ihre Kommunikation verschleiern wollten, und bei Verschwörungsideologen populär ist, genießt Telegram einen eher zweifelhaften Ruf.

Gründer Pawel Durow ist jedoch auch dafür bekannt, den Messenger mit Zähnen und Klauen vor Abhörversuchen zu verteidigen und lieber die Firma zu verlegen als zu kooperieren. Als der russische Geheimdienst verlangte, auf Telegram-Daten zugreifen zu dürfen, verließ das Unternehmen Russland, mittlerweile ist es in Dubai zu Hause.

„Hass-Superspreader“
Für den Kläger Marc Ginsberg ist Telegram im Vergleich zu Parler ein „
Hass-Superspreader“. Seine Chancen auf Erfolg sind jedoch ungewiss, denn gemäß der zuletzt auch von Donald Trump kritisierten „Section 230“ sind Online-Plattformen nicht für Inhalte ihrer Nutzer haftbar.

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