Im ausgebrannten Haus (die Fenster wurden zum Schutz vor neugierigen Blicken mit weißer Pappe verhängt) erklärte die Steirerin am Mittwochnachmittag beim Lokalaugenschein dem U-Richter und der Polizei, was in jener Nacht passiert war. Die Frau wirkte wie in Trance, als hätte sie noch nicht ganz realisiert, dass ihre Kinder Esther (6) und Enrico (8) tot sind.
Erinnerung nur bruchstückhaft
Und sie schilderte, woran sie sich nur in Bruchstücken erinnern kann. Dass sie wieder einmal zu viel getrunken hatte; dass es erneut zu einem heftigen Streit mit ihrem Ehemann gekommen war; und dass sie immer dann Lust auf ungezügelten Sex bekäme, wenn sie betrunken ist. So auch in dieser Nacht. Doch ihr Eheman wollte nicht, und nicht zum ersten Mal ging er außer Haus, um "Zigaretten zu holen".
Esther F. blieb allein zurück und - so sagt sie - "kochte vor Wut". Um sich abzureagieren, zündete sie ein auf dem Wohnzimmersofa liegendes Handtuch an, "genoss das Feuer". Doch die Flammen griffen rasch auf das Mobiliar über. In Angst um das eigene Leben rettete sie sich in die Toilette. Wenig später kam der Mann wieder nach Hause. Kurz zuvor hatte ein Tankwart bereits die Einsatzkräfte alarmiert. Denn die Flammen schlugen bereits aus den geborstenen Fenstern.
Erst jetzt wurde der Frau bewusst, dass Esther und Enrico im Haus waren. Es war zu spät. Beide hatten es noch aus ihren Betten geschafft, waren aber dann zusammengebrochen. "Die zwei hingen so aneinander", sagt eine Nachbarin.
"Familiäre Situation hat sich gebessert"
Bereits seit Jahren war die Familie amtsbekannt. Die Bezirkshauptmannschaft wusste über die Alkoholprobleme der Frau Bescheid. Seit 2008 ist bekannt, dass es im Haus ständig Streit gab. Doch laut Fürsorge habe sich die familiäre Situation zuletzt sogar wesentlich gebessert...
von Manfred Niederl, "Steirerkrone"
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