Vor seiner - via Dolmetsch erfolgten - Befragung entschuldigte sich der Angeklagte bei den Familienangehörigen des Opfers und dem österreichischen Staat: "Ich bereue zutiefst, was ich getan habe", sagte er auf Spanisch.
Staatsanwältin Teresa Scherrer führte vor Gericht aus, dass das Opfer unzählige Stiche in Gesicht, Hals, Brustkorb und Bauch erlitten hatte und verblutet war. Der Angeklagte sei unzurechnungsfähig gewesen, im Laufe seiner Ehe habe er ein zunehmend paranoid- eifersüchtiges Verhalten an den Tag gelegt - er verdächtigte seine Frau ständig, Verhältnisse mit anderen Männern zu haben. Scherrer beantragte deshalb keine Bestrafung, sondern eine Unterbringung in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.
Streit und Handgreiflichkeiten aus Eifersucht
Der Beschuldigte hat in seiner Heimat ein Kind. Auf einem Kreuzfahrtschiff, auf dem er arbeitete, lernte er 2007 eine Österreicherin kennen. Das Paar heiratete 2008 im Burgenland, ein Sohn wurde geboren. Eheprobleme habe es aufgrund der Eifersucht des Mannes von Beginn an gegeben. In Dornbirn (Vorarlberg), wo das Paar lebte, kam es laut Staatsanwältin zu einem Angriff auf seine Frau, in der Folge habe er zwei Polizeibeamte leicht verletzt. Ein weiterer Vorfall ereignete sich ein Jahr darauf am neuen Wohnsitz in Wiener Neustadt, als der Angeklagte mit dem Türsteher eines Lokals in Streit geriet. Im Frühjahr 2010 habe er dann in der SCS in Vösendorf einen Mann angegriffen, den er verdächtigte, etwas mit seiner Frau zu haben.
Den Widerstand gegen Polizeibeamte in Vorarlberg sowie Angriffe gegen zwei Männer in Niederösterreich - erklärte er damit, dass er betrunken gewesen sei und in diesem Zustand aggressiv werde. Der in der SCS Attackierte gab an, die Frau des 28-Jährigen lediglich deshalb zu kennen, weil ihre Eltern dort in der Nähe seines Lokals ein Geschäft betreiben, erläuterte Richter Hans Barwitzius. Seine Eifersucht und wohl auch Angst sei dann der Grund gewesen, weshalb die Frau kurz danach mit ihrem kleinen Kind auszog und die Scheidung wollte, meinte der Beschuldigte. Gegenüber der Polizei hatte er die Vermutung geäußert, ein anderer Mann stecke dahinter.
Die Ex-Frau schilderte die Beziehung anfangs sehr harmonisch: "Wir waren glücklich." Sie habe ihn geliebt, der nunmehr 28-Jährige sei auch ein sehr liebevoller Vater gewesen. Allerdings seien die Eifersuchtsanfälle immer schlimmer geworden. Die Eifersuchtsszenen seien aber "die Hölle" gewesen, er habe sie als "Hure" beschimpft.
Eine psychiatrische Behandlung und Tabletten gegen Depressionen sowie eine Reise nach Honduras hätten die Situation kurzfristig verbessert. Als er ihr jedoch im Frühjahr im Zuge eines Streits ins Gesicht schlug, beschloss die 35-Jährige, einen Schlussstrich zu ziehen und zu ihren Eltern zu übersiedeln. Ihre Sachen hätte sie am 13. Mai aus der Wohnung in Wiener Neustadt holen wollen - am Vorabend kam es zur Bluttat. Die Frau hatte an jenem Tag mehrmals mit dem 28-Jährigen telefoniert - allein am Abend gab es 33 Anrufe, die sie nicht angenommen hatte. Das Opfer habe sie lediglich vom Grüßen im Treppenhaus gekannt.
Angeklagter unterstellte Opfer und seiner Frau Affäre
Am Abend des 12. Mai hatte der 28-Jährige sechs Flaschen Bier getrunken. Schon länger habe der Angeklagte den unbegründeten Verdacht gehabt, dass auch der Wiener Neustädter Wohnungsnachbar ein Rivale sein könnte. Als er den 50-Jährigen an jenem Abend durch das Fenster hindurch telefonieren sah und gleichzeitig seine Frau telefonisch nicht erreichte, zog er den Schluss, dass die beiden miteinander reden würden.
Er habe den 50-Jährigen nicht umbringen wollen, sondern ihm einen Schrecken einjagen, gab er in ersten Einvernahmen an. Als er an der Wohnungstür läutete, habe ihn der Mann ins Gesicht geschlagen, dann stach er zu - ohne vorherigen Wortwechsel.
Im Schlussvortrag sprach die Staatsanwältin davon, dass das Opfer regelrecht hingemetzelt worden sei. Aufgrund des gerichtspsychiatrischen Gutachtens sei die Unterbringung des Angeklagten in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher unbedingt erforderlich, wandte sich Teresa Scherrer an die - ausschließlich weiblichen - Geschworenen. Verteidigerin Doris Hohler-Rössel meinte, der Angeklagte habe die Tötungsabsicht stets bestritten, weshalb die Frage nach Mord zu verneinen sei. Der 28-Jährige habe seine Frau über alles geliebt und aus Eifersucht gehandelt.
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