Weiter Wirbel im ORF

“Abhöraffäre” um Kommunikations-Chef Strobl

Österreich
15.11.2010 16:30
Der öffentlich-rechtliche ORF ist auch am Montag nicht aus den Schlagzeilen gekommen. Die Nachricht, dass der Technische Direktor Peter Moosmann nach langer, schwerer Krankheit Montag früh verstorben ist, sorgt für weitere Diskussionen um die Besetzung des ORF-Direktoriums. Daneben ging die Kritik an Kommunikationschef Pius Strobl (im Bild rechts) weiter, in dessen Auftrag rund um die jüngste Stiftungsratssitzung Gespräche zwischen Journalisten und ORF-Direktoren mitgeschnitten wurden.

Die Beileidsbekundungen zum Tode Moosmanns, der die vergangenen Monate fast ausschließlich vom Krankenbett die ORF-Technik dirigiert hatte, waren lang und reichten von allen Parlamentsparteien bis zur ORF-Geschäftsführung. Hinter den Kulissen entbrannte mit dem Tod Moosmanns aber eine weitere Machtfrage, denn ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz hat damit ein weiteres Mitglied seines Direktoriums verloren. Erst in der Vorwoche war auf Antrag von Wrabetz Informationsdirektor Elmar Oberhauser vom Stiftungsrat abgewählt worden (siehe Infobox).

Wrabetz übernimmt Moosmanns Funktion
Wrabetz' am Montag per Mail an die Stiftungsräte versandte Ankündigung, dass er nach dem Job des Infodirektors nun auch den des Technischen Direktors übernehme, sorgte umgehend für Aufregung. "Damit pflanzt er uns bis aufs Höchste", protestierte der Kärntner FPK-Stiftungsrat Siggi Neuschitzer in Richtung ORF-Generaldirektor.

Er nahm die Causa zum Anlass für die Forderung, ORF-Neuwahlen "in Absprache mit der Bundesregierung sofort auszuschreiben". Wrabetz wird die Funktion nach ersten Informationen freilich nur vorübergehend übernehmen. Aussichtsreichster Nachfolgekandidat für Moosmann ist Harald Kräuter, der den Technischen Direktor zuletzt bereits operativ vertreten hatte.

"Abhöraffäre" rund um Kommunikationschef Strobl
Kommunikationschef Strobl ist derweil weiter wegen des Mitschneidens und Aufzeichnens von Journalisten- und ORF-Direktorengesprächen unter Beschuss. Franz Medwenitsch, Leiter des ÖVP-"Freundeskreises" im ORF-Stiftungsrat, sprach von einer "Abhöraffäre". Diese sei "eine grobe Rufschädigung für den ORF, die der Kommunikationschef zu verantworten hat". 

FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky und BZÖ-Mediensprecher Stefan Petzner gingen in der Causa am Montag ebenfalls in die Offensive und forderten die Suspendierung und Ablöse Strobls. Vilimsky verlangte sogar nach dem Staatsanwalt. ORF-Chef Wrabetz wollte zu der Causa, in die sein engster Mitarbeiter verwickelt ist, am Montag keine Stellungnahme abgeben. "Wir besprechen das intern", sagte er.

Anlass für den neuerlichen Wirbel in der ORF-Geschäftsführung war eine Mitarbeiterin des ORF, die vor dem Stiftungsratssaal am vergangenen Donnerstag im Auftrag von Kommunikationschef Strobl Gespräche von Journalisten mit Direktoren mitschnitt. Programmdirektor Wolfgang Lorenz sprach deshalb von einem "Abhörskandal" und forderte vom ORF-Generaldirektor Konsequenzen. Strobl erklärte, man habe "eine Art Stimmungsbericht" für die Kollegen in den Bundesländern machen wollen. "Alle Aufnahmen wurden vernichtet, nachdem ich gehört hatte, was passiert ist", so der Kommunikationschef.

"Internes ORF-Volksbegehren" angedacht
Die Dynamik, die mit der Abwahl von Oberhauser in der Vorwoche in die ORF-Debatte gekommen ist, nimmt damit vorerst kein Ende. Der von einer Gruppe namhafter ORF-Redakteure am Sonntag artikulierte Protest gegen parteipolitische Einflüsse bekam am Montag Rückendeckung vom ehemaligen ORF-Generalsekretär Kurt Bergmann, der auch der Plattform "Rettet den ORF" angehört. "Da wird vom SPÖ-Zentralsekretariat und seinen Vertretern im Stiftungsrat in stalinistischer Weise Personalpolitik gemacht", wetterte er. 

"Fast ein halbes Jahrhundert haben Parteien und Regierungen systematisch daran gearbeitet, den durch ein Volksbegehren (mehr als 800.000 Unterschriften) geschaffenen unabhängigen ORF wieder zu unterjochen", so der frühere ÖVP-Politiker. Im ORF selbst war am Montag diese Debatte unter den Mitarbeitern nicht zu Ende, wie zu hören war. Offenbar wird unter Mitarbeitern eine Art "internes ORF-Volksbegehren" angedacht.

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