Backkunst und Bären
Schrille Palin startet eigene Reality-TV-Show
In der Serie mit dem Titel "Sarah Palins Alaska" stellt die 46-Jährige sonntags zur besten Sendezeit ihren Heimatstaat vor. Zudem lässt sie die Zuschauer an Episoden aus ihrem Familienleben mit ihrem Ehemann Todd und den fünf Kindern teilhaben.
Stets tritt "Mama Grizzly" als furchtlose Beschützerin auf - und als Frau, die ihren Weg geht. In der Realityshow auch gerne mal per Schlitten, Kanu oder Privatflugzeug. Zumeist aber schleppt sie die Zuschauer mit dröhnenden benzinfressenden Geländewagen von einer Naturschönheit zur anderen - und stört dann die friedliche Stille und die wirklichen Grizzlys mit lauten schrillen Entzückensbekundungen.
Palins Privatleben darf auf einmal wieder öffentlich sein
Oder sie ruft laut nach ihrem Mann oder den Kindern, die oft mit von der Partie sind. Palin, auch das soll die Show klarmachen, ist nicht nur ein echter Naturfan, sondern auch eine hingebungsvolle Mutter und Familienfrau. Kein Wort mehr davon, dass sich die Medien aus dem Privatleben der Palins heraushalten sollen, wie es Sarah in der Vergangenheit wiederholt gefordert hat. Aber da ging es auch um Unangenehmes wie Tochter Bristols außereheliche Schwangerschaft.
So stellt die etablierte "Washington Post" fest, dass die Show umso besser sei, je weniger man vor dem Zuschauen über Palin wisse. Aber das ist natürlich schwierig, vor allem im Zeitalter des Twitterns, das zu Palins großen Leidenschaften gehört. So zückt sie auch in der Realityshow zwischen all dem Klettern, Angeln, Jagen, Kochen und Backen immer wieder ihren BlackBerry.
Palin fordert konservativen Kritiker Karl Rove heraus
Vielleicht mailt sie ja gerade eine Nachricht an Karl Rove, den finsteren Altstrategen der Republikanischen Partei? Rove hat öffentlich seine Meinung kundgetan, dass Palin nicht das Zeug zur Präsidentschaftskandidatin habe, und er bezweifelt auch sehr, dass so etwas wie die neue Show ihr ins Oval Office verhilft. Palin forderte ihn prompt heraus und lud ihn nach Alaska ein, da könne er sehen, wie sie in der "Männerwelt" zurechtkomme.
Die "Washington Post" sieht in der Sendung nichts anderes als einen Egotrip der Politikerin: "Es ist eine Show über Sarah Palin und sonst nichts." Was von Alaska zu sehen sei, gehe kaum über eine Dias-Show hinaus, die ein Verwandter etwa seinen Lieben daheim nach einer Reise in den US-Staat präsentiert. Aber das Blatt räumt auch ein, dass Palin erheblich sympathischer wirke als bei vorausgegangenen TV-Versuchen, etwa als Moderatorin der Serie "Real American Stories" des Senders Fox News über "wirkliche Amerikaner".
Kritiker schwanken zwischen Bewunderung und Abscheu
Und schwankend zwischen Bewunderung und Abscheu wird festgestellt, dass mit dieser neuen Show die Grenzen zwischen Showbusiness und Politik so stark verwischt werden wie noch nie, Imagekampagne und Public Relations "neue und unglaubliche" Höhen erreichen. Wenn Sarah Palin eine Präsidentschaftskandidatur 2012 anstrebe, schreibt Kommentator Hank Stuever, "dann ist eine warmherzige Show über Leben in Alaska ein weiterer Schritt in Sachen Marken-Förderung". Auch CNN-Medienkritiker Howard Kurtz bescheinigt Palin einen klugen Schachzug, TV-Präsenz vor einem Millionen-Publikum, "ohne dass es ein Werbespot ist".
Bisher hat sich die furiose Cheerleaderin der ultrakonservativen Tea-Party-Bewegung im Kongresswahlkampf nicht klar über ihre Absichten geäußert, aber wiederholt offen mit der Möglichkeit einer Kandidatur kokettiert. Demnach würde sie das in Betracht ziehen, "wenn es keinen anderen geeigneten Bewerber gibt".
Hauptaufgabe der Republikaner lautet jetzt: "Palin stoppen"
Die permanent hohe Selbsteinschätzung Palins lässt jetzt etablierte Republikaner Schlimmes ahnen. Wie das Magazin "Politico" schreibt, sehen viele ihre Hauptaufgabe im kommenden Jahr darin, "Palin zu stoppen".
Das schüchtert die Frau aus dem kleinen Wasilla ganz offensichtlich nicht ein. Und das, so meinen Experten, ist wohl auch das Image, an dem Palin gelegen ist - und das in dieser Show geschärft werden soll: Palin als mutige Pionierin, fern vom Establishment, kampfbereit und auch risikofreudig, aber vor allem bodenständig. Eben eine Frau, die sich behauptet, komme, was da wolle.
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