Im „Krone“-Interview:

„Ein Lichtblick“ auf dem langen Weg zurück!

Es war ein Jahr, in dem durch die Pandemie alles anders gekommen ist, als geplant. Und ein Jahr, das Fragen aufwirft. Im Interview mit der „Krone“ blickt Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner auf turbulente Monate zurück.

Frau Landeshauptfrau, wie verbringen Sie ganz persönlich heuer Weihnachten?

Johanna Mikl-Leitner: Wie viele andere Menschen werde ich nicht wie gewohnt im Schoß der Großfamilie feiern, sondern mit meinem Mann, meinen beiden Töchtern und mit meiner Mutter. Zum Essen wird es auf Wunsch der Kinder Fondue geben. Es wird ein anderes Weihnachten, aber wir werden es als Familie genießen.

Keine neuen Schulden, Verkehrs- und Digitalpaket, Kulturoffensive, Wissenschaftsachse. Im Jänner waren die Planungen im Land noch ganz anders. Wie hat sich die Politik nach dem Corona-Alarm verändert?

Corona ist ein Thema, das unser ganzes Leben, so wie wir es kennen, auf eine harte Probe stellt. Selbstverständlich haben die nötigen Hilfspakete unser Budget belastet. Das war alternativlos, um größeren Schaden für Wirtschaft und Arbeitsplätze abzuwenden. Fakt ist aber auch, dass wir kein geplantes Projekt stoppen, sondern alles umsetzen werden.

Unmittelbar vor dem Start der Pandemie wurde die Landesgesundheitsagentur gegründet. Welchen Anteil hat die Agentur daran, dass wir die Krise meistern konnten?

Wir wollen vom jungen bis ins hohe Lebensalter die beste Gesundheitsversorgung anbieten und haben unsere Kliniken und Pflegeheime unter ein gemeinsames Dach gebracht haben. So können wir Abläufe, Bestellungen und Planungen besser steuern und managen. In der Krise hat sich gezeigt, dass wir zum richtigen Zeitpunkt eine gute und nachhaltige Entscheidung getroffen haben.

Parallel zur Gesundheitskrise stürzen wir auch in eine Wirtschafts- und Arbeitsmarktkrise. Wie wird es nächstes Jahr am Arbeitsmarkt aussehen?

Mir ist wichtig, dass Menschen die aufgrund von Corona und den Folgen arbeitslos geworden sind, rasch wieder einen Arbeitsplatz finden. Wir setzen verstärkt auf Qualifizierung, aber auch auf Umschulungen in besonders gefragten Bereichen, wie jenem der Pflege. Tatsache ist, dass Aus- und Weiterbildung der zentrale Schlüssel sein wird, um regional gegen die Entwicklung ankämpfen zu können.

In Zeiten der Krise zeigen sich Zusammenhalt, aber auch Gegensätze. Ist das politische Miteinander schärfer geworden?

Das Miteinander ist ein wichtiger Faktor. Wir leben diese Zusammenarbeit auch in der Landespolitik vor. 99 Prozent aller Regierungsbeschlüsse waren einstimmig, alle Gesetze wurden immer mit einer weiteren Partei beschlossen. Das ist zur Halbzeit der Periode eine gute Basis, auf der wir weiter aufbauen wollen.

Gleich am Anfang der zweiten Infektionswelle sind Sie mit härteren Maßnahmen vorgeprescht und ernteten dafür Kritik. Waren Maßnahmen wie das Verhängen von Geisterspielen rückblickend betrachtet verhältnismäßig?

In herausfordernden Zeiten gilt es Entscheidungen zu treffen, die nötig sind. Dass diese Einschränkungen nicht immer jedem gefallen und auf Unverständnis stoßen ist nachvollziehbar. Kein vernünftiger Politiker hat Freude damit, immer wieder Maßnahmen zu verordnen. Daher hoffe ich, dass wir das Virus bald unter Kontrolle bringen und uns wieder dem zuwenden können, was uns Freude macht.

Kritik geübt haben während der Krise auch Sie selbst. In der „Krone“ forderten Sie Ihre Parteikollegen in der Bundesregierung dazu auf, klarer mit den Bürgern zu kommunizieren. Haben Sie damit Gehör gefunden?

Wenn es um die Bewältigung einer Krise geht, dann ist vor allem Geschlossenheit in der Zusammenarbeit und Klarheit in der Kommunikation wichtig. Das verlange ich im Land genauso wie vom Bund. Und das verlangen aber vor allem auch die Bürger von uns. Im Großen und Ganzen leistete und leistet die Bundesregierung in dieser schwierigen Zeit gute Arbeit. Wichtig ist, dass wir gemeinsam an einem Strang ziehen, geschlossen auftreten und klar kommunizieren. Nur dann gibt es nämlich auch Vertrauen in die gesetzlichen Maßnahmen.

Zum Abschluss: Welchen Neujahrswunsch richten Sie an die Landsleute?

Zunächst einmal bin ich froh, dass dieses bewegte Jahr bald zu Ende geht und jetzt in der Weihnachtszeit Ruhe einkehrt. Heuer war für uns alle kräfteraubend und herausfordernd, wie wir es noch nicht erlebt haben. Deshalb ein großes Dankeschön an alle Landsleute, fürs Durchhalten und für ihre Disziplin. Für das kommende Jahr wünsche ich allen nicht nur viel Gesundheit, sondern auch viel Zuversicht sowie Optimismus. Mit der Covid-19-Impfung haben wir einen echten Lichtblick auf dem Weg zurück zur Normalität.

Interview von: Lukas Lusetzky und Nikolaus Frings, Kronen Zeitung

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