„Ich unterstütze die Stille Steiermark - wir brauchen in Corona-Zeiten keine zusätzlichen Verletzten!“ - Klare Worte findet Lars-Peter Kamolz, Arzt an der Grazer Universitätsklinik.
Der Fachmann - Vorstand der klinischen Abteilung für plastische, ästhetische und rekonstruktive Chirurgie an der Grazer Uniklinik - weiß, wovon er spricht: „Wir haben pro Saison zwischen neun und 15 Schwerstverletzte nach Feuerwerksunfällen bei uns auf der Station“, schildert Kamolz. „Dabei kriegen wir nur die wirklich schweren Fälle mit komplexen Verletzungen.“ Wobei ihm auffällt: „Diese Schießerei dauert immer länger, fängt oft schon Anfang Dezember an und hört Ende Jänner auf.“
Die Eingriffe bei Verletzten seien umfassend, „so eine Operation kann dann schon 13 bis 14 Stunden dauern. Pro Hand.“ Meist sind es beide Hände, die betroffen sind. Oft genug auch die Augen. Und es ist mit einem Eingriff zumeist auch nicht abgetan. In vielen Fällen folgen intensivmedizinische Betreuung, weitere Operationen, Reha. „Das kann alles sehr lange dauern.“
Die Schießerei dauert immer länger, fängt oft schon Anfang Dezember an und hört Ende Jänner auf.“
Lars-Peter Kamolz, Chirurg
Typische Verletzungen seien, dass sich Patienten die Hände mit einem Böller wegsprengen oder das Gesicht durch die Fehlzündung einer Rakete verbrennen.
Die Statistiken aus dem Ausland dazu sind alarmierend: In China würden solche Unfälle als Hauptursache für Augenverletzungen genannt (auch durch herumfliegende Splitter) - wobei sie damit noch vor Verkehrs- und Arbeitsunfällen rangieren. Am häufigsten sind laut US-Studien Hände verletzt (30 Prozent), gefolgt von Kopf/Hals (22 Prozent) sowie Augen (21). 60 Prozent aller Verletzungen waren Verbrennungen durch Böller (26,2 Prozent), Raketen (16 Prozent) und Wunderkerzen (14 Prozent).
Versorgung während der Pandemie problematisch
Die meisten Zahlen und Fakten sind auch auf die steirische Patienten umlegbar. Kamolz warnt daher: „Wir versorgen jeden Einzelnen nach höchstem medizinischen Standard.“ Aber: „Das ist in Zeiten der Pandemie nicht unproblematisch, wo jedes freie Intensivbett wichtig sein kann.“
Sein drastischer Appell: „Hände weg von Feuerwerkskörpern, sonst hat man vielleicht bald keine Hände mehr. Denn nicht immer können wir weggesprengte Finger wieder annähen.“
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