11.12.2020 07:54 |

„Zelda“-Rivale

„Immortals Fenyx Rising“: Open-World-Game im Test

Nach „Watch Dogs Legion“ und „Assassin‘s Creed Valhalla“ hat Ubisoft mit „Immortals: Fenyx Rising“ binnen weniger Wochen sein drittes Open-World-Game auf den Markt gebracht. Befürchtungen, dass Action-Adventure könnte lediglich ein weiterer Abklatsch sein und mehr vom Selben bieten, werden glücklicherweise nur zum Teil erfüllt.

Ob „Far Cry“, „Watch Dogs“ oder „Assassin‘s Creed“: Ubisoft hat es in den vergangenen Jahren geschafft, sich mit bekannten Gameplay-Elementen erfolgreich verschiedene Marken aufzubauen. Die Geschichten und Szenarien mögen andere sein, die Aufgaben und Herausforderungen in den offenen Spielwelten ähneln sich zum Teil aber stark. Als nun ausgerechnet die Macher des in Griechenland spielenden „Assassin‘s Creed Odyssey“ im Vorjahr mit „Immortals Fenyx Rising“ (vormals „Gods and Monsters“) ein in der griechischen Mythologie beheimatetes Open-World-Game ankündigten, ließ dies zunächst wenig Originäres vermuten.

Und zunächst scheint es auch ganz so, als wäre „Immortals Fenyx Rising“ nur ein etwas bunteres „Assassin‘s Creed Odyssey“, dürfen Gamer in Gestalt der namensgebenden Figur Fenyx, die wahlweise männlicher oder weiblicher Natur ist, doch gleich zu Spielbeginn ganz nach „Assassin‘s Creed“-Manier erst einmal auf den Kopf einer gewaltigen Statue kraxeln und sich mit der Umgebung „synchronisieren“. Zwei wesentliche Unterschiede werden dabei allerdings offenbart: Zum einen muss Fenyx sich die Missionsziele vom Aussichtspunkt aus selbst mittels Fernsicht suchen und markieren; zum anderen wird für das Klettern und andere Aktivitäten Ausdauer benötigt - und die schwindet in der Steilwand rapide.

Mal eben über sämtliche Berge zu klettern, ist daher nicht. Auch das Darüberfliegen mithilfe der Flügel des Daedalus, die sich Fenyx während des gut zweistündigen Prologs verdient, mag aus diesem Grund nicht gelingen. Ärgerlich. Da helfen auch die blauen Schwammerl wenig, die Ausdauer regenerieren. Aber der eher leidige Stamina-Bedarf ist nicht der einzige Unterschied zu „Assassin‘s Creed Odyssey“. Auch in puncto Optik und Gameplay beschreitet „Immortals Fenyx Rising“ neue Wege. Ein Vergleich, der dabei immer wieder gezogen wird, ist jener mit Nintendos „The Legend of Zelda: Breath of the Wild“.

Tatsächlich gibt es die eine oder andere Parallele - von Stamina und Bäumen und Büschen, die sich zu Kleinholz verarbeiten lassen, einmal abgesehen. Die wohl wichtigste: Es darf gepuzzelt und geknobelt werden. Überall in den sieben verschiedenen Regionen der Goldinsel versteckt, finden sich mal mehr und mal weniger anspruchsvolle Schalter- und Schiebe- sowie Kisten- und Kugelrätsel, die teils auch einiges an Plattform-Geschick verlangen - insbesondere in den Gewölben des Tartaros, wo neben „Laserstrahlen“ und anderen Fallen vor allem tiefe Abgründe und auch Boss-Gegner lauern.

Denn aller Puzzles zum Trotz kommt die Action in „Immortals Fenyx Rising“ nicht zu kurz. Schließlich besteht Fenyx‘ Aufgabe nicht nur darin, die Menschheit, sondern auch die Götter des Olymps vor Bösewicht Typhon und seinen Schergen zu retten. Fenyx kann dafür nicht nur von Schwert und Axt für leichte und schwere Angriffe sowie Pfeil und Bogen Gebrauch machen, sondern auch von verschiedenen Fähigkeiten und göttlichen Kräften, die sie im Spielverlauf von befreiten Göttern und anderen Geschöpfen erhält.

In den Kämpfen gilt es dann, wie so oft, bestimmte Angriffsmuster zu erkennen, Attacken geschickt auszuweichen bzw. zu parieren und diese zu kontern. Was zunächst nicht sonderlich aufregend klingt, wird gerade mit dem Erlernen neuer Fähigkeiten zu einem regelrechten Spektakel, indem sich Feinde etwa dank der Hilfe von Kriegsgott Ares in die Luft wirbeln oder zu Boden schmettern lassen. Das macht nicht nur großen Spaß, sondern ist auch hübsch anzusehen.

Auch die offene Spielwelt kann sich durchaus sehen lassen, wenngleich sie nicht mit der grafischen Opulenz von „Watch Dogs Legion“ oder „Assassin‘s Creed Valhalla“ mithalten kann. Was ihr an Detailvielfalt mangelt, macht sie jedoch durch Abwechslungsreichtum wieder wett, hat doch jede der verschiedenen Inselregionen ihr eigenes „Landschafts-Motto“, was dem Ganzen den Charakter eines Vergnügungsparks verleiht. Die Welt wirkt dadurch zwar inhomogen, lädt deswegen aber nicht weniger zum Entdecken ein, zumal hinter Felsnischen, in Höhlen und unter Wasser überall kleinere Geheimnisse lauern.

Gründe, die Insel abzuklappern, ob zu Fuß oder mit einem der diversen Reittiere, die es allerdings erst zu zähmen gilt, gibt es auch sonst reichlich. Denn leider kommt auch „Immortals Fenyx Rising“ nicht ohne nervige Sammel-Aufgaben aus. Denn erst mit Obst und Gemüse von Bäumen und Sträuchern aller Art, lassen sich Tränke für Gesundheit, Ausdauer, Angriff oder Verteidigung brauen und jeder für sich auch wiederum verbessern. Und nur, wer fleißig Edelsteine unterschiedlichster Form und Farbe sammelt, kann wiederum in der Halle der Götter die eigene Ausrüstung verbessern - dazu zählt auch Phosphor, Fenyx‘ fliegender Begleiter.

Sammel-Items und andere Herausforderungen wie zum Beispiel Zeitrennen bzw. -flüge scheinen deutlich auffälliger als die Haupt-Quests dem Ubisoft‘schen Baukasten für Open-World-Games entlehnt worden zu sein, und dämpfen aufgrund ihres repetitiven Charakters dann auch ein wenig den Spielspaß. Humor kommt dafür zum Ausgleich von anderer Stelle, nämlich Promotheus und Göttervater Zeus, die aus dem Off die Geschichte von Fenyx durchaus selbstironisch erzählen bzw. kommentieren, wodurch das Spiel einen durchaus familientauglichen Anstrich erhält.

Fazit: Ganz ohne generische Nebenaufgaben geht es auch in „Immortals Fenyx Rising“ nicht, und doch beweisen die Entwickler von Ubisoft Quebec in vielerlei Hinsicht Mut, neue Wege zu beschreiten. Noch etwas mehr Mut, vor allem zu mehr Eigenständigkeit und weniger repetitiven Elementen, wäre spätestens für den zweiten Teil - sofern dieser denn erscheinen sollte - wünschenswert. Bis dahin kann man sich aber hervorragend an herausfordernden Kämpfen und Puzzles sowie der humorig und liebevoll erzählten Geschichte erfreuen.

Plattform: Xbox Series (getestet), Xbox One, PS4/PS5, Switch, PC, Google Stadia
Publisher: Ubisoft
krone.at-Wertung: 8/10

Sebastian Räuchle
Sebastian Räuchle
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