01.12.2020 18:16 |

Pflege-Notstand

Großes Interesse, aber weiter Personalmangel

Der Personalmangel im Pflegebereich hat sich in der Corona-Krise verschärft. Dem stark gestiegenen Personalbedarf steht auch ein gesteigertes Interesse am Beruf gegenüber, weiß Franziska Moser, Pfelgedirektorin am Uniklinikum Salzburg.

Frau Moser, wie steht es um die Personalkapazitäten im Pflegebereich?

Aufgrund der allgemeinen Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit gibt es großes Interesse von Personen im Unternehmen, ihr Beschäftigungsausmaß zu erhöhen. Im Pflegebereich arbeiten zu 80 Prozent Frauen. Und wenn etwa ihre Männer arbeitslos oder in Kurzarbeit geschickt werden, dann sind die Frauen gefragt, mehr Geld zu verdienen. Das Interesse ist auch deshlab groß, weil wir als öffentliches Unternehmen einen sicheren Arbeitsplatz bieten. Und viele wollen uns gerade in der Pandemiesituation unterstützen.

Heißt das, Sie kommen mit dem Personal aus?

Nein, das muss man unterscheiden. Aufgrund von Corona haben wir einen weit höheren Bedarf. Das eine ist die allgemein gute Bewerberlage. Aber genug Personal ist etwas anderes. Wir haben nie genug für den Intensivbereich. Ganz grundsätzlich haben wir schon einen hohen Bedarf, Corona kommt zusätzlich. Ich könnte aktuell gut 50 weitere Mitarbeiter sofort einstellen. Derzeit haben wir ja  2500. Aber wir merken schon, dass wir in der Ausbildung mehr Bewerber haben, das ist ein positiver Effekt für uns.

Hat sich durch die Krise das Berufs-Image gewandelt?

Durch Corona hat die Pflege eine bessere Wertigkeit bekommen. Es existiert nicht mehr nur der Arzt, sondern auch die Pflegeperon leistet einen wesentlichen Beitrag für die Gesundheit der Bevölkerung - durch die pandemie kommt der Stellenwert gut heraus. Es ist eine Arbeit mit Sinn.

Was halten Sie von der Idee, pensioniertes bzw. in anderen Bereichen tätiges, aber qualifiziertes Personal zurückzuholen?

Ich denke, die Menschen haben ihre Gründe, wenn sie den Pflegebereich verlassen haben. Die Frage ist, was können wir tun, um den Wiedereinstieg gut hinzubekommen? Es braucht ganz andere pädagogische Methoden, wie Mikroschulungen, daran arbeiten wir. 

Magdalena Mistlberger
Magdalena Mistlberger
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